Die Perspektive der Schülerinnen und Schüler – Mehrsprachigkeit leben

Am 27.02.2026, einem Freitag, trafen wir uns mit den Lehrern Frau Kenner und Herr Hübner, um 05:30 Uhr am Potsdamer Hauptbahnhof. Die darauffolgende Zugfahrt in die Schweiz dauerte neun Stunden, ging jedoch schnell vorüber, da wir alle zusammensaßen.

Als wir in Delémont (Jura) in der Schweiz ankamen, ging die Reise individuell weiter. Die einen wurden direkt von ihren Austauschpartnern abgeholt, die anderen mussten mit dem Bus weiterfahren. Ich war zum Glück mit einem Freund zusammen bei meiner Gastfamilie, wodurch wir unsere Französischkenntnisse kombinieren konnten.

Am Sonntag war ein Großteil der Klasse mit den Austauschschülern in St-Ursanne. Dort haben wir gemeinsam Federball an einem Staudamm gespielt und ein Picknick gemacht. Danach machten wir mit unseren Austauschpartnern eine kleine Wanderung in den umliegenden Bergen. Am Abend sind einige noch auf einen Spielplatz gegangen.

Am Montag haben wir uns als Klasse vor dem Victorinox-Werk getroffen und anschließend eine Führung gemacht. Am Nachmittag nahmen wir in Porrentruy an einer geheimnisvollen Stadtführung teil. Dabei haben wir sehr viel von der Stadt gesehen, darunter auch eine alte Festungsanlage.

Am Dienstag waren wir in der Schule. Das lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Schule war nicht so gut (wie Schule halt sein kann), aber das Essen umso besser. Am Abend sind einige zusammen klettern gegangen – das war eine tolle Erfahrung.

Am Mittwoch sind wir alle zusammen mit den Austauschpartnern nach Bern gefahren. Dort haben wir das Bundeshaus besucht und mit einem Politiker, Herrn Fridez aus der Region Jura, gesprochen. Da der Einlass ins Bundeshaus sehr lange gedauert hat, fiel die Mittagspause kürzer aus. Am Nachmittag sind wir ins Museumsviertel gegangen, um uns das Museum für Kommunikation anzuschauen. Das Museum war überraschend gut, und so gingen wir frohen Mutes zum Bahnhof, um zurückzufahren.

Am Donnerstag war der zweite Tag in der Schule. Den gesamten Vormittag und teilweise auch am Nachmittag konnten wir unser Projekt beenden. Am Nachmittag gingen einige zu einem weiteren Gespräch mit Politikern. In der Zwischenzeit wurden die ersten Projekte vorgestellt. Bis zum Abend hatten wir noch einmal Freizeit in Porrentruy. Am Abend hörten wir uns einen Poetry Slam von den Schweizern an. Danach gab es Abendessen in der Mensa.

Am Freitag hieß es dann wieder Abschied nehmen. Die Zeit in der Schweiz wurde von uns allen als sehr schön wahrgenommen, trotz der noch kleinen Sprachbarriere.

Klasse 10L (Text)

Aus der Sicht des Lehrers – Begegnung, Politik und gemeinsames Lernen

Der Schüleraustausch zwischen der Voltaireschule Potsdam und dem Lycée cantonal de Porrentruy im Schuljahr 2025-2026 bot den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern eine besondere Gelegenheit, über Ländergrenzen hinweg gemeinsam zu lernen, neue Perspektiven zu gewinnen und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln.

Den Auftakt bildete im November 2025 der Besuch der Schweizer Gruppe in Potsdam. Während ihres Aufenthalts arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in gemischten Teams an einem gemeinsamen Projekt, das den Austausch inhaltlich prägte und die Zusammenarbeit stärkte. Darüber hinaus erhielten die Gäste durch Hospitationen im Unterricht einen Einblick in den deutschen Schulalltag. Kulturelle Höhepunkte waren ein Theaterbesuch in Berlin sowie eine eindrucksvolle Lesung mit Susanne Siegert, die sich mit der Erinnerungskultur nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzte.

Im März 2026 folgte der Gegenbesuch der Potsdamer Gruppe in Porrentruy in der Schweiz. Auch hier stand die gemeinsame Projektarbeit im Mittelpunkt, begleitet von Einblicken in den Unterricht am Lycée und das Schweizer Bildungssystem. Ein besonderes Highlight war der Besuch des Unternehmens Victorinox in Delémont, bei dem alle einen Eindruck von einem international erfolgreichen Schweizer Traditionsbetrieb gewinnen konnten. Die Region wurde zudem im Rahmen einer interaktiven Stadterkundung entdeckt, die auf anschauliche Weise Geschichte und Gegenwart miteinander verband. Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug nach Bern: Dort besuchten die Schülerinnen und Schüler das Bundeshaus und erhielten Einblicke in die Schweizer Politik durch Gespräche mit Vertretern auf nationaler Ebene.

Neben dem offiziellen Programm spielte auch das Leben in den Gastfamilien eine wichtige Rolle, da es den Jugendlichen ermöglichte, den Alltag in der Schweiz unmittelbar zu erleben und persönliche Kontakte zu vertiefen und – natürlich – ihr Französisch unter Beweis stellen konnten.

Das unter der finanziellen Schirmherrschaft von MOVETIA stehende Projekt wurde am 05.03.2026 in der Aula des Lycée cantonal feierlich präsentiert – gemeinsam mit einem Rap‑Kooperationsprojekt zwischen dem Lycée und der Partnerschule in Straßburg (Frankreich). Die Projektstände waren mit Informationsplakaten in der Aula ausgestellt und per QR‑Codes konnten Besucherinnen und Besucher kurze Videobeiträge direkt auf ihrem Smartphone anschauen.

Insgesamt erwies sich der Austausch erneut als großer Erfolg. Er förderte nicht nur sprachliche Kompetenzen, sondern stärkte auch das Verständnis für kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb Europas. Vor allem aber zeigte er, wie wertvoll persönliche Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen für das Lernen und Zusammenwachsen sind.

Marco Hübner (Text und Fotos)