Unsere Schule zur Zeit der DDR

"Disziplinierter, strukturierter, kein Ausfall": Das behauptet eine Lehrerin unserer Schule über das Schulsystem der DDR im Vergleich zum heutigen. Ist diese Behauptung wirklich wahr? Um diese Frage beantworten zu können, widmeten wir uns in der Projektwoche unserem Schularchiv, untersuchten die Brigadebücher vorheriger Schulleiter, und zudem befragten wir einige Zeitzeugen.

POS_BrigadeBrigadebuch aus dem Jahre 1977/1978.

Das Brigadebuch sollte in der DDR eine literarisch-dokumentarische Darstellung der Entwicklung eines Arbeitskollektivs, wie zum Beispiel einer Schule, sein.
Hierbei gehen wir zuerst auf das allgemeine Schulsystem in der DDR ein, beschäftigen uns dann noch einmal genauer mit unserer eigenen Schule und erläutern schließlich unsere eigene Meinung.

Das gesamte Bildungssystem der DDR war auf gut ausgebildete Arbeitskräfte ausgerichtet. Alle Kinder wurden verpflichtend in die Polytechnische Oberschule, kurz POS, eingeschult. Die POS ging von der ersten bis zur zehnten Klasse, und man wollte mit ihr betonen, dass alle Schülerinnen und Schüler Oberschulbildung erhalten und gleiche Voraussetzungen haben. Das Ziel war es, die Kinder mit der Arbeitswelt vertraut zu machen.

Die Lehrkräfte hatten im Sozialismus eine Schlüsselrolle, sie bildeten und erzogen die Kinder im Sinne der DDR. Außerdem konnten sie sehr großen Druck auf die SchülerInnen ausüben, da sie entscheiden durften, wer die Erweiterte Oberschule, kurz EOS, besuchen durfte.

Bei der POS lag der Schwerpunkt darauf, eine Verbindung von Theorie und Praxis im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu schaffen; zum Beispiel spielten Experimente und praktische Übungen eine zentrale Rolle. Außerdem gab es Spezialschulen, in denen ein anderer Schwerpunkt gesetzt wurde, wie Russisch, Sport oder Musik.

Genau so eine Schule war auch unsere Schule. Sie hieß POS 9 mit erweitertem Russischunterricht und war eine Vorzeigeschule. Wie alle Schulen mit erweitertem Russischunterricht war auch sie eine Eliteschule, und die Klassen wurden nicht nach Leistung und Begabung getrennt. Die Leistungen wurden mit fünf Noten niedergeschrieben und es wurden Kopfnoten für Fleiß, Ordnung, Mitarbeit und Betragen erteilt. Schon damals hatte die Schule einen eigenen Garten und eine Werkstatt, wo sich die SchülerInnen meistens samstags aufhalten mussten. Im Gegenzug zum Samstagsunterricht hatten die SchülerInnen acht Wochen Sommerferien, in denen sie aber teilweise Arbeitseinsätze, zum Beispiel auf dem Feld, verrichten mussten. Dabei wurden sie von den Lehrern betreut, genauso wie die kleineren SchülerInnen im Ferienhort.

Des Weiteren hatten sportliche Wettkämpfe, staatliche Feiertage und Jahrestage der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und der Freie Deutschen Jugend (FDJ) einen sehr hohen Stellenwert und wurden gemeinsam in der Schule gefeiert. Darüber hinaus hatten auch die Delegationsbesuche eine große Bedeutung, wo die SchülerInnen in Schuluniform stramm standen und Erlerntes präsentieren mussten. Ein weiteres Merkmal des Bildungssystems in der DDR waren die Pioniernachmittage, in denen auf die Mitgliedschaft in der FDJ vorbereitet wurde. Genau wie in der heutigen Zeit hatte unsere Schule auch früher schon Partnerschaften und Schüleraustausche mit der Sowjetunion.

POS_Marsch POS_Salut POS_Schule
(v.l.n.r.) Marsch der FDJ in Kooperation mit der POS 9 am Brandenburger Tor im Jahre 1968, Schüler der POS 9 salutieren vor der Schulleiterin vor der Schule (1977/78), Voltaireschule im Jahr 1977/1978

Unserer Meinung nach hat das Schulsystem in der DDR gegenüber dem heutigen einige Vor- und Nachteile. Wie auch die befragte Zeitzeugin berichtete, war das Schulsystem viel strukturierter und organisierter, was auch dazu führte, dass es keine Ausfälle und Freiblöcke gab. Ein weiterer Vorteil lag in der Kürze des Unterrichtstages, der bis maximal 14:00 Uhr ging. Zusätzlich wurden die SchülerInnen auch sehr gut auf die Berufswelt vorbereitet und direkt nach der Schulzeit in die Planwirtschaft eingeordnet.

Doch das System weist auch einige Nachteile auf. Zum Beispiel konnten die Schüler nicht so frei entscheiden, wie wir das heutzutage können, da nur 10% auf die EOS gehen durften und die späteren Berufe vom Staat ausgewählt wurden. Zudem mussten sie samstags zur Schule gehen und konnten nicht ihre Freizeitaktivitäten ausleben. Außerdem mussten sie auch teilweise in den Ferien Arbeit verrichten und konnten sie so nicht vollständig nutzen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Zeitzeugin mit ihrer Aussage Recht hatte, dass das Bildungssystem strukturierter, disziplinierter und organisierter war. Jedoch muss man bedenken, dass nicht auf eine Individualentwicklung eingegangen wurde, sondern nach Nutzen für die Planwirtschaft erzogen und ausgebildet wurde, im Sinne der herrschenden Ideologie des Marxismus und Leninismus. Letztendlich kann man also sagen, dass die SchülerInnen heutzutage freier entscheiden und leben können; zum Beispiel gibt es in der heutigen Zeit Projektwochen und Fahrten, wo die SchülerInnen ihre eigenen Tage mitplanen können, was in der DDR niemals denkbar gewesen wäre.

Luise H., Caroline L., Philipp B., Noah H. (Jahrgang 11 und Klasse 10L)
Archivbilder (Frau Hartmann)