23.01.2012
Schüler bieten Stolperstein-Rundgänge an
Von verlorenen Nachbarn erzählen Schüler in Potsdam. Sie führen Besucher zu Wohnorten von Opfern des Nationalsozialismus. Über 30 000 Stolpersteine gibt es mittlerweile in Europa.
Betroffen blicken die Schüler auf den Boden in der Potsdamer Innenstadt. Um sie herum herrscht geschäftiges Treiben - doch ihr Blick bleibt auf der kleinen Messingplatte im Gehweg haften. Auf dieser ist der Name von Bertha Simonsohn zu lesen. „Ihre Enkel könnten heute neben uns in der Schulbank sitzen“, sagt die Schülerin Josefine Markarian. Doch es kam ganz anders. 1943 starb die Potsdamer Jüdin im Konzentrationslager Theresienstadt.
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Webteam
12.01.2012
Seit acht Jahren Kontakte nach Antalya
16.12.2011
17-jährige Voltaire-Schülerin bietet Führungen für jedermann an

„Man sieht die Stadt mit ganz anderen Augen, wenn man an einem Haus vorbeigeht und denkt ‚Hey, hier hat sie gewohnt'“, erzählt Josefine Markarian. Die 17-jährige Voltaire-Schülerin kam während einer Projektarbeit im Religionsunterricht in der achten Klasse mit dem Projekt „Stolpersteine“ in Kontakt. 2003 von dem Kölner Künstler Gunther Demning gegründet, erinnert das Projekt an die Opfer des Nazi-Terrors. Neben der Voltaire-Gesamtschule ist auch das Helmholtz-Gymnasium in Potsdam am Projekt beteiligt, gemeinsam wurden 22 Stolpersteine an den letzten Wohnorten der deportieren Juden in der Stadt verlegt.
2008 recherchierte Josefine das Schicksal der Jüdin Bertha Simonsohn. Diese lebte mit ihrem Mann und drei Söhnen in der Brandenburger Straße 19 und betrieb einen Textilwarenladen. „Sie hielt oft Kaffeekränzchen ab, ging kegeln und war regelmäßig in der Synagoge“, erzählt Josefine. Die Simonsohns wurden von den Nazis gezwungen, ihr Haus zu verkaufen, das Geld bekamen sie nie – obwohl Bertha Simonsohns Mann schwer krank war. Er starb 1940 und wurde auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Bertha Simonsohn war eine der letzten in Potsdam lebenden Jüdinnen. Mit dem Wissen, dass sie früher oder später deportiert würde, schrieb sie einen Abschiedsbrief an ihre Kinder, der bis heute erhalten ist. Am 19. April 1943 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 17. Juni starb. Das Grab neben ihrem Ehemann ist bis heute leer.
Beim Recherchieren stellte Josefine Kontakt zu Bertha Simonsohns drei Enkelkindern her, die heute in Israel, den USA und England leben. „Zu dem Enkel in England, der heute auch schon 75 ist, habe ich bis heute noch Kontakt. Er gab mir Briefe, die Erich Kästner an die Schwiegertochter von Bertha Simonssohn schrieb“, erzählt sie. Außerdem pflegt sie ehrenamtlich das Simonssohn-Familiengrab auf dem Potsdamer Friedhof.
Josefine begleitete die kommenden Recherchen der achten Klassen am Projekt weiterhin. Im Rahmen von Schüleraustauschen mit Israel führte Josefine die Jugendlichen schon zu Stolpersteinen in Potsdams Innenstadt und erzählte die Schicksale hinter den kleinen Denkmälern. Im August kam die Idee, sich für den „Jugendkulturfonds“ zu bewerben und regelmäßig zwei Touren für Schüler und Erwachsene anzubieten. Im Rahmen des Jugendkulturfonds wird ihr Projekt mit 1000 Euro gefördert.
„Bei den Führungen trifft man auf Menschen mit spannenden Fragen, die ich selbst manchmal nicht beantworten kann. Oft denke ich mir dann ‚Wow, das ist eine gute Frage, das würde ich auch gern wissen!'“. Durch die vielen Informationen über die Menschen nehme man die Geschichte anders wahr. „Bertha Simonsohn ging gern kegeln und traf sich mit Freunden zum Kaffee – das mache ich auch gern“, sagt Josefine. Man habe einen persönlichen Bezug zu den Menschen, sie selbst durch die intensive Recherche und den bis heute bestehenden Kontakt zu ihrem Enkel sogar noch mehr als andere. Gerade deswegen ist es ihr wichtig, das Projekt weiter zu erhalten und bekannt zu machen.
Einen einstündigen Fußmarsch macht Josefine in der Potsdamer Innenstadt zu den Stolpersteinen in der Friedrich-Ebert-Straße, am Platz der Einheit und in der Brandenburger Straße. Eine zweieinhalbstündige Radtour führt zusätzlich nach Babelsberg, über die Glienicker Brücke bis zu vier Stolpersteinen in der Berliner Vorstadt. (Von Friederike Steemann)
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15.12.2011
Mittagessen im Schichtbetrieb von Steffi Pyanoe

Die Mensa der Voltaire-Schule ist zu klein und sanierungsbedürftig. Stadt hat erst 2015 Geld für Maßnahmen
Heute gibt es Eierkuchen, sehr lecker, das finden nicht nur die sechs Fünftklässlerinnen, die schon vor dampfenden Tellern sitzen. Noch gibt es freie Plätze in der Mensa der Voltaire-Gesamtschule, aber die Mittagspause hat auch gerade erst angefangen, die meisten der etwa 500 Schüler, die sich hier verpflegen wollen, stehen noch in der Schlange, die bis weit auf den Schulhof hinaus reicht. Gut, dass es nicht regnet. „Wir mussten 15 Minuten warten“, sagen die Mädels, und ob sie ihr Essen schaffen, bevor die zweite Schicht in die Mensa gelassen wird, ist unklar.
„Das Problem begleitet uns schon lange“, sagt Schulleiterin Karen Pölk. Die am stärksten nachgefragte Schule der Stadt hat mittlerweile fast 1000 Schüler, aber nur eine Mensa mit 150 Sitzplätzen. Gut 400 Kinder nutzen das warme Essensangebot, dazu kommen noch etwa 100, die an der Snack-Bar einkaufen. Beides, die Ausgabestelle des Caterers sowie der Kiosk, befinden sich in der Cafeteria, einem Flachbau neben dem Schulgebäude. Der wurde Anfang der neunziger Jahre einmal notdürftig saniert, seitdem sei nichts passiert, klagen Lehrer und Eltern. Von den Zerfallserscheinungen, wie vereinzelte Parkettschäden, fehlende Wärmedämmung, zugige Fenster und marode Decken, einmal abgesehen, sei er allerdings grundsätzlich zu klein – während der knapp einstündigen Mittagspause sei es unmöglich, allen Schülern eine gepflegte, stressfreie Einnahme des Mittagessens zu gewährleisten.
Mittlerweile engagiert sich die Elternkonferenz, nachdem selbst eine in die Mensa verlegte Tagung des städtischen Bildungsausschusses kein zufriedenstellendes Ergebnis nach sich gezogen hatte. Die Stadt regte damals an, die angrenzende sogenannte Aula zu den Essenszeiten zu öffnen. Diese ist allerdings selbst unterdimensioniert, ein Mehrzweckraum für etwa 100 Personen, in dem der Unterricht Darstellendes Spiel und diverse Proben stattfinden. Die Schule nutzt die Möglichkeit, ist aber unzufrieden. Um hier zu essen, muss der Unterricht vorzeitig beendet werden, um Tische und Stühle aufzustellen, klagt Pölk, ebenso verkürze sich die nachfolgende Unterrichtseinheit um die Zeit, die man zum Säubern und Wegräumen braucht. Die Stadt hatte damals extra die Verträge mit der Reinigungsfirma geändert, die diese Aufgaben übernommen hatte.
Nun seien, wie an anderen Potsdamer Schulen ebenfalls üblich, die Kinder in zwei Essen-Schichten eingeteilt, was aber schwierig einzuhalten sei, denn „einem hungrigen Sechstklässler den Zugang zum Kiosk zu verbieten, weil er fünf Minuten zu spät ist, das bringt doch keiner über’s Herz. Schließlich sind wir als Ganztagseinrichtung verpflichtet, ein verlässliches Mittagsband anzubieten“, sagt die Schulleiterin. Wenn im Frühling das Abitur geschrieben wird, in einer Aula, die nicht mal alle Abiturienten fasst, hätten die Kinder „schon mal für eine Woche das Essen auf den Schulfluren einnehmen müssen“, erinnern sich Pölk und Kollegen. Eine Nutzung der Räumlichkeiten des der Schule gegenüberliegenden Militärwaisenhauses während der Prüfungszeit habe sich als zu umständlich erwiesen, sagen die Lehrer.
In ihrem Schreiben an Oberbürgermeister Jann Jakobs, an die Stadtverordneten und den Bildungsausschuss forderten die Eltern im November „kurzfristige Übergangslösungen und eine mittelfristige Perspektive“. Im Prinzip müsse das Gebäude aufgestockt oder nach hinten verlängert werden, um den Ansprüchen einer Schule dieser Größenordnung gerecht zu werden.
Ausschussvorsitzender Michael Schröder (CDU) sagte dazu: Zur Lösung der baulichen Probleme sei eine grundhafte Sanierung nötig, für die es mittelfristig seitens der Stadt oder des KIS keine finanziellen Mittel gibt. Die Schulverwaltung sehe keine andere Möglichkeit, als diese Maßnahmen in die langfristige Investitionsplanung ab 2015 einzuordnen. Das bestätigte auch Rathaussprecher Jan Brunzlow. Bis dahin sei die Schule in der Pflicht, „durch geeignete organisatorische Maßnahmen Abhilfe zu schaffen“.
Die Schule habe ihre Möglichkeiten ausgeschöpft, sagen die Verantwortlichen dort, es gebe keine Raumkapazitäten mehr. Sogar die Kinder hätten sich engagiert und an diverse Fernsehsender mit Einrichtungssendungen gewandt. Bisher ohne Erfolg. Die Elternkonferenz wolle nun die laut Schröder für frühestens Januar geplanten Gespräche in den einzelnen Fraktionen abwarten. „Aber bis 2015 – so lange können wir nicht warten“, sagt die Vorsitzende der Elternkonferenz, Iris Feldmann.
18.11.2011
Mensaproblem: Weniger Abi-Klassen

POTSDAM / INENNSTADT - Das Problem der zu engen Mensa an der Voltaireschule soll offenbar durch Senkung der Klassenzahl in der Sekundarstufe II entschärft werden. Ein entsprechender Antrag der Schulleitung werde geprüft, erklärten der Kommunale Immobilienservice (Kis) und das Schulverwaltungsamt zum MAZ-Beitrag „Pappesatt vor der Mensa“. Man verweist darauf, dass die Schule den Vorschlag ablehnt, die größere Hälfte der Mensa doppelt zu nutzen: Zurzeit wird dort nur unterrichtet, man hätte mit der Reinigungsfirma aber vereinbaren können, dass die Bestuhlung mehrfach am Tag auf- und abgebaut wird.MAZ
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Webteam
18.11.2011
Streit um Mensa

Voltaire-Schule fordert größeren Speiseraum
Innenstadt - Mit einer Unterschriftenliste fordern Schüler- und Elternvertreter der Voltaire-Gesamtschule ein „modernes Speiseraumkonzept mit Cafeteria als Aufenthaltsraum“ – und eine „richtige“ Aula für Prüfungen, Schulaufführungen oder Versammlungen. Mit einem offenen Brief haben sich die Schulvertreter dazu an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordneten gewandt.
Anlass: Aus Sicht der Schulvertreter ist fraglich, wie das Ganztagskonzept an der Schule mit einem „weit unterdurchschnittlichen Verpflegungs- und Pausenangebot“ werden soll. Der „marode Speiseraum“ mit 150 Plätzen sei für derzeit 950 Schüler zu klein. Auch ein „angemessener Veranstaltungs- und Aufenthaltsraum“ sei nicht vorhanden, eine vorhandene „Aula“ verdiene diesen Namen nicht. Die Folge: Bei schlechtem Wetter müssten sich die Schüler mit großen Pausen auf Treppen und Fluren „begnügen“.
Vorwürfe werden gegen den Kommunalen Immobilien Service (KIS) erhoben, der die Gebäude der Stadt verwaltet. Der KIS habe keine zusätzlichen Räume für das Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ angeboten, für das nun ein Teil der zu kleinen Mensa genutzt werden müsse. Vorschläge zu alternativen Räumlichkeiten seien „aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt“ worden, so die Schule.
Der KIS reagierte kühl. Ein Vorschlag, nämlich die zweite, etwas größere Hälfte der Mensa zu nutzen, sei von der Schule nicht angenommen worden. Dabei habe der KIS dafür schon eine Vertragserweiterung mit der zuständigen Reinigungsfirma vereinbart. Eine Sanierung des Mehrzweckgebäudes sei wegen fehlender finanzieller Mittel frühestens ab 2015 möglich. Zugleich betonte der KIS, dass die Leitung der Schule einen Antrag auf Absenkung der „Zügigkeit“ bei der Stadtverwaltung gestellt habe – also einen Antrag auf weniger Klassen. Darüber solle Anfang des kommenden Jahres vor Beginn des sogenannten Ü7-Verfahrens entschieden werden, erklärte der KIS. HK
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Webteam
16.11.2011
Schüler stellen israelisch-deutsche Kunstwerke im Oberbürgermeister-Flur aus

Innenstadt - Wer dieser Tage aus dem Potsdamer Rathaus kommt, dürfte nicht nur klüger sein als beim Betreten, sondern auch um ein künstlerisches Erlebnis reicher. Jeweils zwölf Jugendliche aus israelischen Jugenddörfern sowie der Voltaire-Gesamtschule und dem Leibniz-Gymnasium hatten sich vom 6. bis 13. April dieses Jahres in der Babelsberger Kunstschule zu einer Projektwoche unter dem Motto „David und Julia auf Spurensuche in Potsdam“ getroffen. Die künstlerischen Ergebnisse sind seit gestern auf dem Flur zum Oberbürgermeister-Büro im ersten Stock des Stadthauses ausgestellt.
Der Abiturient Elias Lindermann erklärt seine farbige Darstellung eines Glasfensters mit daraus aufsteigenden Vögeln. „Das Fenster eines Gebetshauses nach meiner Phantasie“, sagt er, ohne sich auf etwas Jüdisches oder Christliches festlegen zu wollen. Seine Schulkameradin Celesta Grothe schuf mit ihrer Collage einen „Ort drinnen und draußen“, wie sie erklärt. Ein Bett mit einem Baldachin füllt fast die Hälfte des Bildes. „Make love“ und „not war“ lauten die Aufschriften. Die beiden Arbeiten markieren die Spannbreit vom fröhlichen Erleben bis zum Nachdenklichen. So stehen deutsch-israelische Gemeinschaftsarbeiten mit Eindrücken aus dem Potsdamer Stadtleben neben symbolträchtigen Bildern, die um Toleranz werben.
Der Maler Peter Bause, künstlerischer Leiter der Kunstschule Potsdam, berichtet, mit welch großer Begeisterung die Jugendlichen bei der Sache waren. Die Israelis kamen aus sieben verschiedenen Jugenddörfern. Es handelt sich um Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Israel eingewandert sind und die aus der ehemaligen Sowjetunion, Frankreich und Äthiopien stammen. „Ich habe gestaunt, über welche künstlerischen Fähigkeiten sie verfügen“, sagt Bause.
Der Kontakt zwischen den Menschen so unterschiedlicher Herkunft habe sich laut Christiane Irina Fetscher, Geschäftsführerin der „F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“ sehr innig entwickelt. Beim Abschied nach fünf Tagen seien Tränen geflossen. Die Flick-Stiftung hat das Projekt finanziell unterstützt und darüber eine Broschüre mit Fotos von Joachim Liebe herausgebracht. Ostern 2012 ist ein Gegenbesuch der Deutschen in Israel geplant.
Der Museumspädagoge Uri Faber, der während der Begegnungswoche als hebräisch-deutscher Dolmetscher fungierte, berichtet von den gemeinsamen Interessen der Jugendlichen aus so unterschiedlichen Regionen und von der Fröhlichkeit des Zusammenseins. „Den Israelis war es manchmal sogar etwas zu problemlastig“, erklärt er. Überschattet wird die Erinnerung an die unvergesslichen Tage durch den Tod eines Teilnehmers, des 18-jährigen Voltaire-Schülers Marc Billmeyer. Er starb am 31. Mai 2011 nach einem Unfall in Potsdam.
Im Flur zum Dienstzimmer des Oberbürgermeisters finden das ganze Jahr über Ausstellungen statt. Die gestern eröffnete Schau ist bereits die siebente in diesem Jahr. Oberbürgermeister Jann Jakobs erwähnte, dass der Ort sehr publikumswirksam sei, weil hier „sämtliche Prominenz der Stadt“ vorbeikomme. Jakobs weilte 2009 mit einigen Schülern der Voltaire-Gesamtschule in Israel. Nach diesem Besuch habe sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt.
Die Ausstellung im Rathaus Potsdam ist auf dem Oberbürgermeisterflur, 2. Stock, Friedrich-Ebert-Straße 79-81, bis zum 7. Januar zu sehen, montags bis freitags jeweils von 8 bis 18 Uhr.
von Günter Schenke
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15.11.2011
An der Voltaire-Gesamtschule ist die Esskultur in Gefahr / Schüler fordern Verbesserungen

POTSDAM / INNENSTADT - Die 950 Schüler der Voltaire-Gesamtschule und ihre Eltern sind pappesatt: weil die Bedingungen für das Schulessen in der Mensa eine Katastrophe sind. „Lassen Sie uns Schüler nicht hungrig im Regen stehen!“, schreiben sie an den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten. Das Flehen ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn vor der kleinen maroden Kantine mit ganzen 150 Plätzen staut sich die hungrige Schulgemeinde manchmal bis ins Freie.
Die Voltaire-Gesamtschule könnte als zukunftsweisende Modellschule gelten, wenn es nicht „eine enorme Diskrepanz zwischen dem guten Unterrichtsangebot und dem weit unterdurchschnittlichen Verpflegungs- und Pausenangebot aufgrund von unzureichenden Räumlichkeiten“ geben würde, heißt es in dem Offenen Brief. Man frage sich, wie das Ganztagskonzept der Schule mit diesem Speiseraum umgesetzt werden soll. Die Mensa reiche nicht aus, obwohl man schon zweischichtig isst. Dazu kommt der Bauzustand: keine Wärmedämmung, die Deckenverkleidung droht herunterzufallen, die alten Fenster sind undicht, der Fußboden bricht an einigen Stellen auf.
Die Esskultur sei gefährdet, heißt es im Brief. Die Situation am Ausgabetresen und der Zeitdruck führten bereits zu Aggressionen. Durch den Zweischichtbetrieb hätten die Schüler jeweils nur 30 Minuten Mittagspause, oft blieben wegen der langen Wartezeit nur zehn Minuten für das eigentliche Essen. Deshalb würden viele Kinder trotz des guten und gesunden Angebotes nicht mehr an der Schülerverpflegung teilnehmen. „Wir Eltern können so nicht mehr darauf vertrauen, dass sie ein warmes Mittagessen erhalten“, heißt es im Brief.
Schon im Mai hatte es einen Runden Tisch zur „Optimierung der Schulverpflegung an der Voltaire-Gesamtschule“ gegeben. Neben Lehrern, Eltern, Schülern und Schulverwaltungsamt saß auch der Kommunale Immobilienservice (Kis) am Tisch. Klar gesagt wurde, dass der Kis vor 2014 keine Investitionsmittel für Neu- oder Anbauten haben werde. Doch nach Ansicht der Schüler und Eltern sind auch die am Runden Tisch vereinbarten kurzfristigen Entlastungen nicht herbeigeführt worden. Der Kis habe keine zusätzlichen Räume für das Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ angeboten, für das ein Teil der Mensa genutzt werden muss. Vorschläge der Schule zu alternativen Räumlichkeiten seien „aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt“ worden, heißt es. Die Verlängerung der Pausenzeit, um trotz der zwei Schichten in Ruhe essen zu können, wurde wiederum von den Eltern nicht akzeptiert, weil dann auch die unteren Klassen bis 16.30 Uhr Unterricht hätten.
Man benötige als Ganztagsschule ein modernes Speiseraumkonzept mit Cafeteria als Aufenthaltsraum, heißt es im Brief an den Oberbürgermeister. Außerdem fehle eine richtige Aula beziehungsweise ein Mehrzwecksaal für Abiturprüfungen, Unterricht, Theaterproben, Schulaufführungen, Versammlungen und andere Veranstaltungen.
Da im Vergleich zum vorigen Schuljahr 97 Schüler zusätzlich aufgenommen wurden, habe sich die Lage verschärft. Es gebe keinen Aufenthaltsraum für Pausen und Freistunden, nachdem solche Räume in Unterrichtsräume umgewandelt wurden. Bei schlechtem Wetter müssten sich die Schüler auf Treppen und in Fluren aufhalten. „Wir erwarten, dass Sie mit uns kurzfristige Übergangslösungen erarbeiten und uns mittelfristige Perspektiven zur Beseitigung dieser Missstände anbieten“, schreiben Eltern und Schüler an die Politiker.
Der Kommunale Immobilienservice will sich heute zu dem Brief äußern. (Von Volkmar Klein)
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27.05.2011
Voltaire-Schüler reisen nach Israel

POTSDAM / INNENSTADT - Ein wenig bangte Ulrike Boni-Jacobi gestern schon, als sie über ihre Reise nach Israel nachdachte. Eigentlich sollte die Religionslehrerin der Potsdamer Voltaire-Schule heute gemeinsam mit ihren elf Schülern im Flugzeug in Richtung Israel sitzen. Dort wollen sie Tempel und Kirchen besichtigen, nach Haifa reisen und nach Masada. In Jerusalem soll die Schulklasse auch auf den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) treffen. Doch nun waren wegen der Vulkan-aschewolke aus Island auch die Berliner Flughäfen zu. „Ich hoffe wir haben Glück, und es ist bald alles wieder frei“, sagte Boni-Jacobi.
2009 ist die Lehrerin zum ersten Mal mit einer Klasse in den Nahen Osten gefahren, gemeinsam mit dem Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs. Eine Wirtschaftsdelegation war damals auf die Arbeit ihrer Schüler aufmerksam geworden, die im Rahmen des Stolpersteine-Projektes Nachfahren deportierter Juden kontaktiert und eingeladen hatten. „Sie haben in den Archiven nach ihnen gesucht, sie angerufen und ihnen Briefe geschrieben“, erzählt Boni-Jacobi.
Im vergangenen Herbst kamen die Israelis zum Gegenbesuch nach Potsdam und diskutierten mit den deutschen Schülern über das Leben in einem geteilten Land. „Die Jugendlichen aus Israel erleben das gerade. Unsere Schüler kennen die Mauer nur aus Geschichtsbüchern oder Erzählungen und konnten sich endlich etwas darunter vorstellen“, sagte Boni-Jacobi, die auf kulturellen Austausch setzt.
In der Zukunft sollen nicht nur Voltaire-Schüler zum Austausch reisen, sondern auch die Lehrer. Bereits im kommenden Herbst fliegt eine Gruppe nach Jerusalem. „Wir versuchen, von ihrem und sie von unserem Bildungssystem zu lernen – ein simples und schönes Prinzip.“
Und manchmal sind es die ganz winzigen Details, die für Veränderung sorgen. An eine Sache erinnert sich die Religionslehrerin besonders gern: „In den Pausen klingelt es nicht, sondern es ertönt Musik“, erzählte sie. Da mache den Schülern der Unterricht auch mehr Spaß. (Von Marion Schulz)
19.04.2011
Kirsten Schmollack baut die Schule in der Haeckelstraße auf und will damit ins Bornstedter Feld

Auf Beschluss der Stadtverordneten öffnet zum 15. August eine neue Gesamtschule in der Haeckelstraße. Beim Aufbau hilft die Voltaire-Schule. Mit der Gründungsrektorin sprach Claudia Krause.
MAZ: Wie sind Sie zu dem Job gekommen?
Kirsten Schmollack: Das Schulamt hat mich angesprochen und ich habe zugesagt. Es kam zwar ziemlich überraschend, aber ich arbeite auch lange genug an der Voltaire-Gesamtschule, war Jahrgangs- und Fachbereichsleiterin und bin seit drei Jahren Schulleitungsmitglied. Konzeptionelle, organisatorische und personelle Arbeit ist mir sehr gut bekannt.
Was kann man falsch machen bei einer Schulgründung?
Schmollack: Das können wir vielleicht in einem Jahr sagen. Erstmal wollen wir eine adäquate Schulbildung anbieten – mit personellen und ideellen Ansätzen, wie sie die Eltern gewollt haben, die ihre Kinder für die Voltaireschule angemeldet haben, aber dort keinen Platz bekommen.
Also doch eine Filiale?
Schmollack: Nein. Die Neue Gesamtschule Potsdam – so zunächst der Arbeitstitel – wird ein eigenes Profil ausbilden, das wir mit den Lehrern und Eltern noch formen. Aber wir sind dankbar für den Vertrauensvorschuss.
Trotzdem nehmen Sie von „Voltaire“ etwas mit?
Schmollack: Auf jeden Fall das individualisierte Lernen, das Stärken, Schwächen und unterschiedliche Lernwege jedes Schülers sowie spezielle Interessen berücksichtigt und die verbale Einschätzung der Leistungsentwicklung garantiert. Jeder hat seine individuelle Bezugsnorm, nach der realisierbare Ziele gesetzt werden. Wir wollen stärker unterstützen und differenzieren. Die Gesamtschule begleitet die Kinder sensibler in den neuen Lebensabschnitt, gewährt ihnen in 13 Jahren zum Abitur mehr Übungszeit. Trotzdem kann man auch bei uns Klassen überspringen und nach zwölf Jahren Abi machen. Außerdem will ich das Konzept „Muk“ – Medien und Kommunikation – übernehmen, das Schüler fit macht für unsere Informationsgesellschaft. Und ich werde zukünftig Psychologie anbieten.
Steht das Kollegium schon?
Schmollack: Nein. Auf jeden Fall werden die Klassenleiter der drei siebten Klassen Stammlehrer sein und nur dort Deutsch, Mathe und Sprachen unterrichten. Andere Fächer werden in Kooperation und auf freiwilliger Basis mit Voltaire-Lehrern beziehungsweise mit neuen Lehrern abgesichert.
Wird es eine Ganztagsschule?
Schmollack: Vorerst nicht. Der Bedarf ist in Potsdam gedeckt. Aber wir favorisieren ganztägiges Lernen; wollen Ganztagsbetrieb beantragen.
Sie müssen sich jetzt um alles kümmern – vom Telefon bis zum Toilettenpapier. Haben Sie Ihre Liste komplett?
Schmollack: Ich hoffe! Tische und Stühle sind da. Am Donnerstag bin ich zum Gespräch im Schulverwaltungsamt.
Haben Sie schon Kontakt zu Ihrer Nachbarin, der Zeppelingrundschule, aufgenommen?
Schmollack: Ja, die Direktorin, Frau Bendyk, hat mich sehr nett durchs Gebäude geführt.
Nehmen Sie den „Kleinen“ Räume weg?
Schmollack: Nein. Wir bekommen vier Klassenräume im unsanierten Schulteil und teilen uns Sporthalle, Sportplatz und Essenraum. Da möchte ich mit den Eltern der Grundschüler noch reden, damit keine Ängste aufkommen.
Was ist Ihr größter Wunsch?
Schmollack: Dass die Standortdebatte weitergeführt wird und wir in vier Jahren drei- bis fünfzügig mit gymnasialer Oberstufe als Ganztagsschule im Bornstedter Feld arbeiten. (Von Julia Göthling)
16.04.2011
Israel-Woche

Die vergangenen Tage werde ich so schnell nicht vergessen. Zusammen mit etwa einem Dutzend Schülern aus Israel und ihren Potsdamer Gastgebern habe ich bei dem Kunstprojekt „David und Julia auf Spurensuche in Potsdam“ teilgenommen, das von der F.C. Flick Stiftung gegen Rassismus und Intoleranz initiiert wurde. Und das war spannend. Während der Woche habe ich beispielsweise bei einem Malerei-Workshop mitgemacht: Unter anderem haben wir dabei Entwürfe für Fenster der geplanten neuen Synagoge in Potsdam gestaltet. Leider wurde dabei der aktuelle Streit über das Aussehen der geplanten Synagoge für Potsdam nicht behandelt – obwohl ich dieses Thema sehr spannend finde. Allerdings haben wir uns anderweitig auf Spurensuche begeben und verschiedene Orte früheren jüdischen Lebens in Berlin und Potsdam besucht und uns mit der Zeit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus auseinandergesetzt.
Schon lange Zeit finde ich die Beschäftigung mit Israel spannend, ich habe auch schon bei zwei anderen Austauschprojekten mitgewirkt. Das Besondere in dieser Woche war, dass unsere Gastschüler aus Jugenddörfern in Israel kamen. In solchen Orten leben rund 200 Jugendliche zusammen: Einige sind Einwanderer, andere Halb- und Vollwaisen. Viele stammen eigentlich aus Russland, Frankreich oder Nordafrika. So haben wir diese Woche viel voneinander gelernt – und am Dienstagabend gemeinsam im Waschhaus gefeiert. Gestern folgte nun der offizielle Abschied voneinander – die restliche Woche wird sich nun wohl wieder auf den normalen Schulalltag beschränken.
Lena Ewert ist 17 Jahre alt und Schülerin der Voltaire-Gesamtschule. Ihre Woche aufgeschrieben hat Henri Kramer.
08.04.2011
Haeckelschule öffnet im August

Potsdam-West - Mit großer Mehrheit haben die Stadtverordneten am Mittwochabend der Gründung einer neuen staatlichen Gesamtschule in der Haeckelstraße zum nächsten Schuljahr zugestimmt. Ab August 2011 kann somit in vier Klassenräumen und einem Nebenraum des noch nicht sanierten Teils des Schulgebäudes der Unterricht beginnen, erklärte die Schulbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU). Bis Oktober werde das Haus komplett saniert sein. Die Haeckelschule sei „eine gute Zwischenlösung“; später sei ein Übergang der Schüler an die noch zu bauende Schule im Bornstedter Feld möglich, sagte die Beigeordnete.
Die Ausweitung der Potsdamer Gesamtschulkapazitäten ist notwendig geworden, nachdem im derzeitigen Ü-7-Verfahren – Übergang der Schüler von den Grundschulen auf weiterführende Schulen ab 7. Klasse – über 300 Schüler die Voltaire-Gesamtschule angewählt haben – genau 198 mehr, als diese aufnehmen kann. Die Plattenbauschule in der Haeckelstraße als Filiale der Voltaire-Gesamtschule zu nutzen, lehnte Schulleiterin Karen Pölk in ihrer Rede vor den Stadtverordneten ab. Die Schüler wären in der Haeckelstraße fernab vom Hauptgebäude und „Voltaire-Schüler zweiter Klasse“. Gleichsam bot sie der neuen Schule inhaltliche und personelle Unterstützung an. Änderungsanträge der Linken und der Bündnisgrünen fanden im Plenum keine Mehrheit. Die Grünen wollten erst im übernächsten Schuljahr eine neue Gesamtschule gründen, die Linken dagegen umgehend zwei neue Schulen dieses in Potsdam beliebten Schultyps gründen. gb
07.04.2011
Gesamtschule Haeckelstraße

Zum Schuljahr 2011/2012 wird in der Haeckelstraße eine drei- bis fünfzügige Gesamtschule errichtet. Beim Aufbau werden das Staatliche Schulamt und die Voltaire-Gesamtschule helfen. Das haben die Stadtverordneten gestern Abend nach einem Antrag des Oberbürgermeisters beschlossen. Grund für die eilige Einrichtung sind 200 fehlende Gesamtschulplätze im jetzigen Ü7-Verfahren. Da die notwendigen Räume erst ab Oktober zur Verfügung stehen, soll die Gesamtschule zunächst vier Klassen- sowie einen Gruppenraum im unsanierten Teil der Schule sowie Sanitäranlagen der Zeppelin-Grundschule nutzen. Spätestens zum Schuljahr 2013/2014 wird der endgültige Standort entschieden.
06.04.2011
Mehr als 100 Schüler wollen auf die neue Gesamtschule – die Voltaire-Schule leistet dabei Geburtshilfe (06.04.11)

Ausreichend Zeit zum Überlegen hatten die Eltern nicht. 72 Stunden Bedenkzeit haben etwa 200 Schüler und ihre Eltern aus Potsdam und Umgebung vom Staatlichen Schulamt Brandenburg bekommen, um die Zukunft ihrer Kinder zu bestimmen. Was andere Familien ein halbes Jahr diskutieren und auswählen konnten, mussten sie im Zeitraffer erledigen – eine Schule für das neue Schuljahr aussuchen: Bis Montag hatte ihnen das Schulamt Zeit gegeben, sich um einen Platz an der neu zu gründenden Gesamtschule in Potsdam- West zu bewerben, mehr als 100 Schüler und Eltern hatten bis gestern davon Gebrauch gemacht. Antworten auf Fragen zum Profil der Schule, Fremdsprachenangebot oder wer Schulleiter wird, können bislang nicht beantwortet werden.
Die letzten zwei Tage an der Voltaire- Gesamtschule waren auch für die neue Schulleiterin Karen Pölk und ihr Team eine Ausnahmesituation. „Hektik, Stress, viele Telefonate“, bescheibt Karen Pölk die letzten beiden Tage. Eltern riefen an, teils verunsichert, teils wenig verständsvoll über die aktuelle Situation. Die meisten hätten Beratung gesucht und wollten Antworten auf Fragen, die auch Pölk ihnen nicht geben konnte. Denn bislang sind nur die groben Rahmenbedingungen für die Gründung der Gesamtschule bekannt: Sie soll, wenn die Potsdamer Stadtverordneten dies am heutigen Mittwoch in ihrer Sitzung am Abend im Rathaus beschließen, am Standort der früheren Haeckel-Gesamtschule in Potsdam-West entstehen. Laut Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Schulverwaltungsleiter Dietmar Weiberlenn soll die Schule im kommenden August drei bis fünf Klassen aufnehmen. Die Schüler werden bis zum Ende der Sanierung eines Schulteils im Oktober in einem unsanierten Schulteil lernen, Toiletten und Speisesaal der benachbarten Zeppelin-Grundschule nutzen.
Wie lange sie an dem Standort bleiben und ob die Schule eventuell in einigen Jahren in den geplanten Neubau ins Bornstedter Feld zieht, soll laut Jakobs spätestens bis Sommer 2014 entscheiden werden. Für die neue Schule werden die Lehrer teils von der Voltaire-Schule kommen, die Schulgründung wird von der Voltaire- Schule konzeptionell und strategisch unterstützt. „Wir sind eine Art Geburtshelfer“, sagte Karen Pölk. Nötig wird die Schulgründung über Nacht, weil sich Eltern und Schüler in Potsdam vor allem für Gesamtschulplätze interessieren, die Kapazität aber deutlich geringer als der Bedarf ist. Etwa 200 Schüler hatten beim laufenden Ü7-Verfahren, bei dem Schüler und Eltern sich nach dem Ende der Grundschule eine weiterführende Schule aussuchen, keinen Platz auf einer der drei städtischen Gesamtschulen bekommen. Der jetzige Prozess, der vom Staatlichen Schulamt angeschoben worden ist, soll ihnen einen Gesamtschulplatz sichern. Zudem will die Stadtverwaltung den Schulentwicklungsplan überarbeiten.
Dabei wird das System Voltaire-Schule, wie es jetzt funktioniert, allerdings nicht kopierbar sein. Die Einrichtung ist mehr als ein Jahrzehnt lang von Ortrud Meyhöfer und ihrem Team aufgebaut worden. Fast jeden Schulversuch des Landes hat die Schule mitgemacht. Inzwischen ist es die einzige Gesamtschule im Land Brandenburg, an der es eine Leistungs- und Begabungsklasse gibt und reguläre Klassen, in denen nach zwölf Jahren das Abitur abgelegt werden kann. Das ist ungewöhnlich, weil die kurze Schulzeit für Gymnasien gilt, während das Abitur an Gesamtschulen in der Regel nach 13 Jahren geschrieben wird. Auch ist die Voltaire-Schule Ganztagsschule – ein Konzept, das es an der neuen Gesamtschule in der Haeckelstraße nicht geben wird.
Karen Pölk ist sich nach einem Blick auf die Bildungsempfehlung der Schüler sicher, dass es auch in der neuen Gesamtschule eine gute Mischung von Schülern mit Hochschulempfehlung und ZehnteKlassen-Abschluss geben wird. Damit tritt sie Befürchtungen entgegen, dass die Mehrzahl der Schüler keine Empfehlung für die Hochschulreife habe.
30.03.2011
Stadt eröffnet weitere Gesamtschule

POTSDAM / POTSDAM WEST - Die Stadt eröffnet aufgrund der großen Nachfrage eine weitere staatliche Gesamtschule. Am Standort Haeckelstraße soll sie Mitte August mit drei siebten Klassen an den Start gehen. Wie gestern im Rathaus zu erfahren war, will Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) den Stadtverordneten auf ihrer Sitzung am 6. April nun einen entsprechenden Verwaltungsantrag zur Abstimmung vorlegen. Bisher fehlen für das Schuljahr 2011/12 zirka 200 Gesamtschulplätze. Kinder, die im „Ü7“ genannten Verfahren zum Übergang in Klasse sieben diese Schulform gewählt hatten, hätten ansonsten auf Oberschulen oder – mit Empfehlung der Allgemeinen Hochschulreife – auf Gymnasien umgeleitet werden müssen. Die beliebte Voltaire-Gesamtschule will die Neugründung konzeptionell unterstützen. (he)
Die neue Voltaire-Chefin würde eine weitere 7. Klasse öffnen – im Container auf dem Hof / Klares Nein zur Filiale
Erst seit sechs Wochen im Amt, hat Karen Pölk gleich eine Feuertaufe zu bestehen. Im Gerangel um fehlende Gesamtschulplätze ist die Schule in die Schlagzeilen geraten. Mit der Rektorin sprach Claudia Krause.
MAZ: Partei-Idee Voltaire-Filiale, Protest-Demo und Protestbriefe von Schülern an die Bildungsbeigeordnete. So hatten Sie sich Ihren Start in Potsdam sicher nicht vorgestellt?
Karen Pölk: Mein Einstieg hätte ruhiger vonstatten gehen sollen, aber so konnte ich in kurzer Zeit schnell viel lernen. Ich bin hier auf ein Team gestoßen, in dem sehr viele Kollegen über das normale Maß hinaus arbeiten. Das hat mich sehr beeindruckt. Und der Kampf gegen die Schul-Filiale in der Haeckelstraße schweißt Schüler und Lehrer noch mehr zusammen.
War die Idee von CDU und SPD eine Schnapsidee, den Überhang von 200 Schüleranmeldungen auf Gesamtschulplätze mit einer Filiale oder einer neuen Gesamtschule abfedern zu wollen?
Pölk: Wir selbst haben davon aus der Zeitung erfahren. Das war nicht sehr schön. Unser pädagogisches Konzept lässt sich aber nicht in eine Dependance ausgliedern, weil es auf team-, klassen- und jahrgangsübergreifender Arbeit beruht. Fünftklässler bereiten ein gemeinsames Projekt vor und Neuntklässler helfen bei dessen Visualisierung. Viele Prozesse finden in den großen Pausen statt. Die Schülerzeitung trifft sich zum Beispiel. Es ist eine große Schulgemeinschaft. In der Filiale wären es Voltaire-Schüler 2. Klasse.
Aber Sie verstehen den Druck?
Pölk: Natürlich. Doch wir können das jetzt nicht allein lösen. Wir sehen uns aber verpflichtet, in der Misere zu helfen und machten das Angebot, zu den geplanten vier noch eine weitere 7. Klasse im August zu eröffnen – in einem Container auf unserem Schulhof. Immerhin hatten wir ja 260 Anmeldungen auf 100 Plätze. Aber mehr geht wirklich nicht. Schon jetzt haben wir mit unseren 853 Schülern in 15 Klassen, fünf Teams und den Oberstufenkursen reichlich zu tun. Ab August werden es 970 sein.
Und dann wollen Sie noch beim Aufbau einer neuen staatlichen Gesamtschule helfen. Wie soll das gehen?
Pölk: Auf Basis der Freiwilligkeit könnten Kollegen wechseln. Es kann doch sein, dass mancher was Neues beginnen möchte. Zusätzlich würden wir Lehrer, die sich freiwillig melden, stundenweise für die neue Schule abstellen; bei Absenkung ihrer wöchentlichen Pflichtstunden, versteht sich, denn sie sollen auch etwas davon haben. Vorstellbar wäre: Wer jetzt 26 Wochenstunden hat, bekommt dann 24 und leistet 20 bei Voltaire und vier in der neuen Schule. Außerdem könnte man von den anderen Bewerbern auf die Voltaire-Direktorenstelle jemanden zurückholen. Konzeptionell könnten die Fachbereiche zusammenarbeiten; sich etwa unser kooperatives Lernen anschauen.
Also doch eine zweite VoltaireSchule?
Pölk: Nein. Wir wünschen uns einfach, dass die Schüler, die wir ablehnen müssen – seit gestern läuft übrigens das Auswahlverfahren – auch in der neuen Schule gut und nach einigen unserer Ideen unterrichtet werden. Denn deshalb hatten sie sich ja bei uns beworben. Wir sehen uns in Zusammenarbeit mit dem Schulamt als Geburtshelfer.
Und wer hilft Ihnen, das Dauerproblem Mensa mit nur 150 Plätzen zu lösen?
Pölk: Es soll jetzt ein kurzfristiger Machbarkeitsplan erarbeitet werden. Geprüft wird auch, ob man die Aula über Mittag zusätzlich öffnen kann. Das ist aber problematisch, weil die Aula vor- und nachher als Unterrichtsraum genutzt wird.
26.03.2011
Standort Haeckelstraße nicht fertig

Was seit Jahren am Elternwillen vorbeiging, soll jetzt im Eilverfahren bis zum Beginn des neuen Schuljahres erfolgen: Die Gründung einer neuen staatlichen Gesamtschule mit zunächst drei 7. Klassen mit je 28 Kindern. Die Voltaire-Gesamtschule will die Gründung mit Personal und beratend unterstützen. Darauf haben sich jetzt Stadtverwaltung, Schulamt und Voltaire-Leitung geeinigt, nachdem erneut für rund 200 Kinder die gewünschten Gesamtschulplätze ab August fehlen.
Schulrat Eckhard Dörnbrack begrüßt die Gründung einer neuen Gesamtschule und hofft, dass die Stadt noch „ihre Hausaufgaben macht“. Denn, „die Situation ist kompliziert und die Zeit knapp“, betonte Bildungsdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) gegenüber der MAZ. Am Ende müsse wohl der Oberbürgermeister entscheiden. Politische Anträge sollten ihrer Meinung nach „nicht gegen den Elternwillen aufrechterhalten“ werden. Deshalb werde man auch den Schulentwicklungsplan „aktualisieren müssen“, sagte sie gestern.
Im jüngsten Bildungsausschuss hatten CDU und SPD mit einem dringenden Prüfauftrag nachgelegt, mit dem sie die Einrichtung einer Filiale der übernachgefragten Voltaire-Gesamtschule in der Haeckelstraße in Potsdam West oder die Neugründung einer Schule gefordert haben. Da die Filiallösung nicht gewollt ist – Schüler und Eltern hatten dagegen am Dienstag protestiert (MAZ berichtete) – wird die Neugründung versucht. Nur der Schulstandort ist noch unklar. Da erst jetzt bekannt wurde, dass sich die Fertigstellung des Schulgebäudes in der Haeckelstraße – wohin schon die Filiale ziehen sollte – bis zum Herbst verzögert, müsste man für den Start der neuen Schule also erst eine Übergangsvariante finden. Wie Magdowski sagte, prüft man auch die Schulstandorte Schilfhof und „Rosa Luxemburg“ in der Burgstraße. Davon überrascht zeigten sich Luxemburg-Schulleiterin Sabine Hummel und Elternsprecher Florian Engels. Durch solche Planspiele werde „das laufende Verfahren chaotisiert“, kritisierte Engels. Nach MAZ-Informationen soll die Burgstraße inzwischen schon wieder verworfen worden sein. Das Schulamt brauche Klarheit, um den Eltern Angebote machen zu können, so Magdowski. Anfang der Woche solle die Entscheidung fallen.
Für den Erhalt und die Schaffung weiterer Gesamtschulkapazitäten statt neuer Gymnasien hatte sich jahrelang Die Linke eingesetzt, konnte sich aber gegen SPD und CDU nicht durchsetzen. Fraktionsmitglieder wie Jana Schulze bezweifeln jetzt die Umsetzbarkeit des Angebots der neuen Voltaire-Rektorin Karen Pölk, eine kurzfristige Schulgründung konzeptionell zu unterstützen. Dazu dürfte das Kollegium bei laufendem Schulbetrieb mit ab August knapp 1000 Schülern kaum in der Lage sein. (Von Claudia Krause und Carola Hein)
26.03.2011
Stadt plant neue Gesamtschule / Spitzengespräch hat Lösung für Schüler gebracht: Neue Schule ab August in der Haeckelstraße (25.03.11)

Stadtverwaltung und Schulamt haben die Eröffnung einer neuen Gesamtschule bereits zum kommenden Schuljahr verabredet. Das ist das Ergebnis eines Spitzengespräches am Donnerstag, an dem Vertreter der Verwaltung, des Staatlichen Schulamtes und der Voltaire-Gesamtschule teilgenommen haben. Nach PNN-Information prüft die Verwaltung derzeit, ob die Sanierungsarbeiten an einem alten Schulgebäude in der Haeckelstraße bis August abgeschlossen sein können, um die Gesamtschule zu eröffnen. Am Montag will die Stadtverwaltung den Kompromiss offiziell bekanntgeben, hieß es.
Die Stadt will neue Gesamtschulplätze schaffen, weil der Bedarf an Plätzen größer ist als die Kapazität. Im aktuellen Anwahlverfahren Ü7 der Sechstklässler, bei dem sie sich eine weiterführende Schule der Stadt aussuchen, haben sich viele Eltern für die Voltaire- oder eine der beiden anderen Gesamtschulen entschieden. Etwa 200 Schüler würden nicht wie gewünscht an einer Gesamtschule lernen können, wenn die Stadt keine weiteren Plätze schafft. Bislang galt die Neugründung der Schule zum nächsten Schuljahr als aussichtslos. Sowohl Verwaltung als auch das Staatliche Schulamt sagten, die Neugründung brauche Zeit und sei auch rechtlich nicht unproblematisch. Die Schule, die nun geschaffen wird, stand den Eltern und Schülern nicht zur Wahl. Offen für die Variante zeigte sich das Schulamt dennoch: Schulrat Eckhard Dörnbrack hatte in dieser Woche gesagt, das Land werde die Schule personell ausstatten, wenn die Stadt diesen Weg geht.
Für die Neugründung ausgesprochen hatte sich am Dienstag im Bildungsausschuss Manja Orlowski (SPD). Gemeinsam mit Michael Schröder (CDU) hatte sie nach Bekanntwerden der Gesamtschulproblematik vor einigen Wochen eine Filiallösung der Voltaire-Gesamtschule oder die Neugründung einer Schule beantragt. Die Filiallösung, gegen die Schüler, Eltern und Lehrer der Voltaire-Schule heftig demonstriert hatten, scheint jetzt vom Tisch. Die Voltaire-Schule will aber mit der neuen Schule kooperieren und beim Start helfen.
Bildungsdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) sagte gestern nach der gefundenen Einigung: Nun müsse Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) eine Entscheidung treffen. „Die Situation ist kompliziert, eine Filiallösung politisch derzeit nicht gewollt.“ Über das Ergebnis der Gespräche ist Jakobs nach PNN-Informationen am Mittag von Magdowski informiert worden.
Bislang galt, das Gebäude stehe erst ab Oktober zur Verfügung. Die Beigeordnete sagte bei einem Besuch der Eisenhart- Grundschule, der städtische Immobilienservice soll prüfen, ob es auch schneller geht. Dass das Schulgebäude Haeckelstraße nicht fertig saniert ist, sieht sie als Resultat eines langen „Diskussionsprozesses zwischen dem Immobilienservice und der früheren Schulfachbereichsleiterin“. Diese hätten monatelang über die Finanzierung diskutiert. Seitens des KIS hieß es dagegen, die Schulverwaltung hatte seit Mai 2010 die Vorlage zur Sanierung auf dem Tisch. Durch das lange Warten seien eingeplante Mittel von 1,5 Millionen Euro nicht eingesetzt und erst Anfang dieses Jahres ein Bauantrag gestellt worden.
Seit zwei Jahren ist bekannt, dass Gesamtschulplätze fehlen – Magdowski hat den jetzigen Schulentwicklungsplan nicht erarbeitet. „Auf diese Feststellung lege ich wert. Ich kam her, als der Plan beschlossen wurde.“ Entgegengesteuert hat sie allerdings nicht. „Ich bin gebeten worden, das Paket nicht sofort wieder aufzuschnüren“, sagte sie. Das Schulamt hätte sie im Vorjahr darauf hingewiesen, doch habe man Gespräche für dieses Frühjahr vereinbart, wie dem Problem beizukommen sei. Jetzt scheint eine Lösung gefunden.
Von Jan Brunzlow
24.03.2011
Voltaire-Schule entsetzt über Beigeordnete / Drei Offene Briefe an Potsdams Schuldezernentin (24.03.11)

Mit mehreren Offenen Briefen haben Lehrer, Eltern und Schüler am Mittwoch ihren Protest gegen die Schulpolitik in der Landeshauptstadt zum Ausdruck gebracht. In einem Schreiben der Elternvertreter an Schuldezernentin Iris Jana Magdowski heißt es: „Der Gipfel an Frechheit ist erreicht, wenn sie es wagen, den ratsuchenden Schülern vor dem Rathaus vorzuwerfen, sie würden anderen Kindern verwehren wollen, auf ihrer Schule zu lernen“, schreiben die Elternvertreter. Magdowski hatte dies den Schülern am Dienstagnachmittag bei einer Demonstration vor dem Rathaus vorgeworfen. Die Voltaire-Schüler und Lehrer hatten gegen die Gründung einer Schulfiliale an einem Standort in Potsdam-West demonstriert. Sie sprachen sich stattdessen für die Gründung einer neuen Schule aus, um den Schülern, die in diesem Jahr einen Platz auf einer der drei städtischen Gesamtschulen haben wollen, auch einen Platz zu ermöglichen. Die Eltern forderten nun: „Beginnen Sie endlich, Schulentwicklungspläne als Entwicklungspläne zu sehen.“ Und: „Hören Sie auf, Elternwünsche zu ignorieren oder Entwicklungen zu verschlafen.“
Selbst das Staatliche Schulamt Brandenburg hatte der Verwaltung vorgeworfen, auf aktuelle Entwicklungen der Vorjahre nicht reagiert zu haben. Seit Jahren fehlen im Bereich der Innenstadt und des Bornstedter Feldes Grundschulplätze, zudem gibt es seit zwei Jahren mehr Anmeldungen an Gesamtschulen als Plätze vorhanden sind. Mit dem letzten Schulentwicklungsplan, an dem Magdowski noch keinen Anteil hatte, weil sie erst kurz vor der Beschlussfassung durch die Stadtverordneten Beigeordnete wurde, ist auch die Eröffnung neuer Schulstandorte ab August beschlossen worden. Eine Oberschule am Schlaatz sowie ein Gymnasium in Potsdam-West sollten eröffnen – doch diese Schulen werden nicht benötigt. Vielmehr werden etwa 200 Schüler, die eine Gesamtschule besuchen wollen, nach derzeitigem Stand keinen Platz auf einer Gesamtschule haben. Die Verwaltung sucht gemeinsam mit dem Schulamt und den Stadtverordneten nach einer Lösung.
Vor allem die Art und Weise, wie Magdowski in dieser Situation agiert, bringt Schüler, Eltern und Lehrer buchstäblich auf die Palme. Bereits bei der Demo wurde sie mit Buh-Rufen verabschiedet. Und auch im Bildungsausschuss hatte sie nicht erwähnt, dass für den geplanten Ausweichstandort Haeckelstraße noch keine Baugenehmigung vorliegt. Aus dem Rathaus hieß es, seit Mai 2010 habe der Kommunale Immobilienservice KIS in der Schulverwaltung auf den Zustand hingewiesen, erst Anfang dieses Jahres habe ein Bauantrag gestellt werden können. Die für den Ausbau des Standortes im Haushalt des Vorjahres eingeplanten 1,5 Millionen Euro für dieses Vorhaben sind somit nicht abgerufen worden, hieß es gegenüber den PNN. Die Schüler der Klasse 10 a fordern künftig ein Mitspracherecht: „Wir wollen, dass Schluss mit dieser Schulpolitik ist, bei der wir kein Mitspracherecht haben!“, schreiben sie in einem Brief. Sie sehen das Konzept der Schule in Gefahr, sollte die Filiallösung umgesetzt werden. Der Lehrerrat der Voltaire-Schule hat den Schülern den Respekt ausgesprochen, die Demo auf die Beine gestellt zu haben. Auch deren Mitglieder kritisieren Tonfall und Aussagen der Beigeordneten. jab
23.03.2011
Keine Lösung für Gesamtschulen in Sicht / Magdowski verschweigt Problem Haeckelstraße (23.03.11)

Die Schulentwicklungsplanung der Landeshauptstadt steuert in ein weiteres Desaster: Das staatliche Schulamt als Außenstelle des Bildungsministeriums hat die Stadt bereits vor einem Jahr gewarnt, sie müsse die Schulstruktur den Elternwünschen anpassen. Entsprechende Informationen bestätigte die Schulbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU) am Dienstagabend im Bildungsausschuss. „Darauf hat der Schulamtsleiter Ulrich Rosenau mich aufmerksam gemacht“, sagte Magdowski. Geschehen ist nichts. Seit Jahren wählen die Eltern für ihre Kinder in Potsdam vor allem Gesamtschulen und Gymnasien an, doch erneut hat die Verwaltung gemeinsam mit der Kommunalpolitik die Plätze der Gesamtschulen reduziert. Nun gibt es mehr als 200 Schüler, die einen Gesamtschulplatz haben wollen und nach derzeitigem Stand keinen erhalten. Selbst der Ausweich auf eines der fünf städtischen Gymnasien wird schwierig, da dort ebenfalls alle Plätze belegt sind. Einzig die Oberschulen haben noch 90 Plätze frei, sagte Schulrat Eckhard Dörnbrack.
Etwa 250 Schüler, Eltern und Lehrer der Voltaire-Gesamtschule haben daher gestern vor dem Potsdamer Rathaus gegen die Schulentwicklungsplanung der Stadt demonstriert. Sie forderten die Verwaltung auf, die Filial-Pläne ad acta zu legen und neue Vorschläge zu erarbeiten, wo die Schüler künftig lernen. Die Verwaltung wollte im Schulhaus in der Haeckelstraße in Potsdam-West eine Zweigstelle eröffnen, um einen Teil der 200 Schüler ohne Gesamtschulplatz eine Alternative bieten zu können. Doch nach PNN-Informationen steht der Standort nicht zur Verfügung. Wie Bernd Richter vom städtischen Immobilienservice KIS bestätigte, würden dort im August keine Räume zur Verfügung stehen. Weder für eine Filiale die bislang keiner will, noch für eine neue Gesamtschule, wie sie von einem Teil der Potsdamer Stadtverordneten favorisiert wird. Eine entsprechende Information hat Magdowski im Bildungsausschuss allerdings nicht weitergegeben – trotz der Aufforderung ihres Schul-Fachbereichsleiters Dietmar Weiberlenn. Der hatte seine Vorgesetzten in der Sitzung leise aufgefordert, die mangelnde Raumsituation deutlich zu machen.
Bereits im Vorfeld hatte die Schuldezernentin Buh-Rufe der Schüler, Lehrer und Eltern erhalten, nachdem sie zu den Demonstranten sprach. Sie fragte die Schüler, ob diese anderen Schülern ernsthaft den Wunsch verwehren wollen, an ihrer Schule zu lernen. Mit Unverständnis und „Wut“, so Elternsprecher Uwe Carow, hätten die Schüler reagiert. Schulleiterin Karen Pölk erklärte, das Konzept der Voltaire-Schule sei nicht auf eine Filiale adaptierbar. Es sei ein in den Jahren gewachsenes Schulleben, an welchem die Filialisten dann nicht teilhaben könnten. Sie bot der Verwaltung an, dass die Voltaire-Schule eine Klasse zusätzlich aufnehme und eine Kooperation mit einer neuen Gesamtschule eingeht, um diese zu unterstützen. Eine Filiale lehnte sie ab. Elternsprecher Uwe Carow erklärte, bei einer Filiallösung „steht an dem Türschild des Gebäudes zwar dann Voltaire-Schule dran, es ist aber nicht Voltaire-Schule drin“. Schülersprecherin Mia Wätzel hat der Verwaltung eine Unterschriftenliste gegen die Filiallösung übergeben.
Wie Verwaltung und Kommunalpolitik in diesem Jahr eine Lösung schaffen, ist weiter unbekannt. Schulrat Eckhard Dörnbrack wünschte sich, dass die Verwaltung die Schulentwicklungsplanung jährlich anpassen sollte. Nach dem Anwahlverfahren der Eltern und Schüler müsse überprüft werden, was geändert werden muss, sagte er gestern. Bereits im letzten Jahr musste das Schulamt in die Planungshoheit der Stadt regulierend eingreifen.
23.03.2011
Protestaktion vorm Rathaus / Stadt hat noch keine Lösung für fehlende Gesamtschulplätze

POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert und Plakaten wie „Wir sind ein Team und keine Schulfabrik“ haben gestern Nachmittag etwa 150 Schüler und Eltern der Voltaire-Gesamtschule gegen eine von der Stadtverwaltung geplante Filiale in der Haeckelstraße protestiert. Dort sollen ab 15. August drei 7. Klassen extern lernen, um so die Erst-Wünsche von Eltern nach einem Gesamtschulplatz zu erfüllen. Derzeit können 200 Kinder damit nicht versorgt werden. Elternvertreter Uwe Carow sieht „große Verunsicherung“ bei Eltern und „immense Fehler“ bei der Schulverwaltung. Schülersprecherin Mia Wetzel übergab der zuständigen Beigeordneten Iris Jana Magdowski (CDU) Unterschriften „gegen die Filiale“.
Karen Pölk, die neue Voltaire-Rektorin, lehnte die drei Kilometer vom Haupthaus in der Lindenstraße entfernte Dependance gestern im Bildungsausschuss als „kontraproduktiv“ für das fächer- und jahrgangsübergreifende Teamlernen ab. Vier siebte Klassen und eine Begabtenklasse nimmt das Voltaire planmäßig auf – die Filiale hätte Achtzügigkeit zur Folge. „Diese Schüler haben dann mit dem Schulalltag nichts zu tun, sie wären abgeschoben“, warnte Pölk. Aus ihrer Sicht käme maximal eine Containerlösung auf dem Voltaire-Schulhof für „eine weitere Klasse“ in Frage. Die übrigen Schüler müssten „gleichmäßig“ verteilt werden. Pölk bot an, das erfolgreiche und von Eltern stark nachgefragte pädagogische Ganztagskonzept „zu exportieren“ und bei der Gründung einer neuen Gesamtschule zu helfen. Die Lehrerin, die zuvor an einem Gymnasium in Berlin-Zehlendorf tätig war, erinnerte daran, dass am 28. März das Auswahlverfahren zum Übergang in Klasse sieben (Ü7) beginnt. Der Hoffnung einiger Ausschussmitglieder, aufgrund der übergroßen Nachfrage noch 2011 eine neue Gesamtschule zu eröffnen, erteilte Eckhard Dörnbrack vom Staatlichen Schulamt eine Absage. Dazu sei ein Jahr Vorlauf nötig. Wie und wo die fehlenden Gesamtschulplätze kurzfristig entstehen können, ist nicht entschieden. Die Verwaltung prüfe noch, sagte Magdowski. Eines stehe allerdings fest: Der Schulentwicklungsplan müs-se „nachjustiert“ werden. (Von Carola Hein)
Zahlen und Fakten:
Rund 800 Schüler lernen an der Voltaire-Gesamtschule in der Lindenstraße. Sie gehört zu den beliebtesten weiterführenden Schulen der Stadt: Allein dort wollten 256 Eltern ihre Kinder für die 7. Klasse anmelden, Platz ist dort jedoch nur für 107.
Profil – Individualisiertes Lernen, Betonung der Fremdsprachen, Geisteswissenschaften sowie von Medien und Kommunikation; Leistungs- und Begabungsklasse; Abitur nach zwölf oder 13 Jahren.
Marode und viel zu klein ist die Aula (Kapazität: 300 Personen). Mittags müssen die Schüler in zwei Schichten essen. Die Sanierung ist nicht in Sicht, geschätzte Kosten: 1,3 Millionen Euro. he
23.03.2011
Die Voltaire-Schule nicht mit einem „Anhängsel“ schwächen!

Zu: „Eltern müssen um Schulplatz bangen. Stadtverordnete wollen nach Schul-Anwahlverfahren sofort reagieren und weitere Gesamtschule öffnen“, 1.3. 2011
Mit Verwunderung müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass man erwägt, eine Außenstelle der Voltaire-Gesamtschule in der Haeckelstraße einzurichten. Wir haben den Eindruck, die Verwaltung wolle es sich möglichst einfach machen. Die Folgen für die renommierte Schule sind absehbar. Auf die Schnelle müssen Lehrer eingestellt werden, deren Auswahl für die Voltaire-Schule immer besondere Bedeutung hatte, hier liegt ein Grund für den Erfolg der Schule. Das Kollegium wird zwischen den zwei Standorten zerrissen, die Qualität des Haupthauses wird leiden und nicht auf die Außenstelle übertragbar sein. Die Schulkultur ist für viele Eltern ein Grund, ihr Kind an der Voltaire-Gesamtschule anzumelden, die findet aber nicht in der Haeckelstraße statt. Wir halten es für sehr bedenklich, der gut funktionierenden Voltaire-Schule ein Anhängsel zu verpassen und sie damit zu schwächen. Wir haben uns aufgrund der besonderen inhaltlichen Ausrichtung und Schwerpunktsetzung, der Qualität und des Schulklimas bewusst für eine Bewerbung an der Voltaire-Gesamtschule entschieden und wünschen uns, dass man bei der Stadtverwaltung zu einer klugen und praktikablen Lösung kommt.
Tatsächlich werden, wie aufgrund der Anmeldezahlen der vergangenen Jahre vorhersehbar war, Gesamtschulplätze benötigt. Von den angedachten Varianten halten wir daher die, eine neu zu gründende, unabhängige Gesamtschule in der Haeckelstraße einzurichten, für eine naheliegende Lösung. Diese Schule könnte ein eigenes Profil entwickeln und später zum Beispiel an den in Planung befindlichen neuen Schulstandort in Bornstedt umziehen. Wir möchten davor warnen, die Möglichkeiten der Voltaire-Gesamtschule überzustrapazieren, denn das wäre nur auf Kosten der Qualität dieser Schule möglich. Diese Aussicht sorgt bereits jetzt für einigen Unmut unter der gegenwärtigen und potenziellen zukünftigen Elternschaft der Voltaire-Schule. Und noch etwas erwarten wir bei der weiteren Planung: eine kompetente Informationspolitik der zuständigen Stellen. Die betroffene Einrichtung und die Familien haben ein Recht darauf und der Anstand würde es gebieten.
Ariane und Hartmut Linde, Sintje Sander-Peuker, Dörte und Winfried Bullinger (Eltern von Voltaire-Bewerbern), Potsdam
15.03.2011
Die Nikolaikirche auf der Mega-Briefmarke

Voltaire- und Steuben-Schüler haben Bilder für das neue Hotel am Großen Waisenhaus gemalt (15.03.11)
Innenstadt - Feuerrote Zypressen säumen die Straße, links und rechts erstrecken sich weite Felder in Gelb und Braun, violette Berge ragen am Horizont empor. Als wäre die Toskana in einen Farbtopf gefallen. Ein paar Schritte weiter das Große Militärwaisenhaus, ganz in Blau gehalten. Daneben die Nikolaikirche, gerahmt von den Zacken einer überdimensionalen Briefmarke.
Es sind Bilder, 40 an der Zahl, gemalt von Schülern der Voltaire- und der Steuben-Gesamtschule. Gestern wurden die Werke im Dachgeschoss der früheren Kaserne für „Beweibte“ in der Lindenstraße erstmals öffentlich gezeigt. Das Gebäude, in dem sich viele Jahre lang der Sitz der PNN-Redaktion befand, gehört der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“. Nach mehrjähriger Sanierung soll es am 1. April offiziell als Hotel am Großen Waisenhaus eröffnet werden. Und jedes der 34 Zimmer soll das Bild eines Schülers schmücken.
Über 75 Elftklässler beider Schulen haben sich an dem Projekt beteiligt – freiwillig, wie Inken Gusner vom Verein „Kunst im Kirchsteigfeld“, kurz KiK, betont. Sie sei überrascht gewesen, welch hohe Qualität die Arbeiten besitzen, obwohl keiner der Schüler eine spezielle Kunstausbildung genossen habe. Gusner und ihre KiK-Kollegin Dorothea Neumann haben die Schüler während des Projekts betreut. Die Waisenhaus-Stiftung finanzierte das Material – Farben, Holz für die Rahmen, Leinwände. Die Schüler haben alles selbst gefertigt, die Rahmen gebaut und bespannt. Zum Malen selbst hatten die jungen Leute lediglich drei Tage Zeit. Einen Potsdam- oder Brandenburg-Bezug sollten die Bilder haben, das war die Vorgabe. Sarah Dentel und Charlene Meyer haben Nikolaikirche und Waisenhaus als Motiv gewählt und das Bild wie eine große Briefmarke gestaltet. Die Idee kam ihnen, „weil man auf einer Briefmarke die Sehenswürdigkeiten gut zusammenfassen kann“, sagen die beiden Voltaire-Schülerinnen.
Pascal Forkel hat sich dagegen ein Mohnfeld ausgesucht. Die Luftaufnahme in einem Kalender mit Motiven aus der Mark habe ihm so gut gefallen, dass er es als gemaltes Bild verewigen wollte. Das Projekt findet der 17-jährige Steuben- Schüler gut. Das Hotel kaufe nicht einfach irgendetwas in der Kunsthandlung, sondern könne nun „einzigartige Kunstwerke“ ausstellen.
So sieht es auch Hotelchef Dieter Dudeck. „Die Bilder werden mit Sicherheit für Gesprächsstoff unter den Gästen sorgen“, glaubt er. Womöglich finde die Idee sogar Nachahmer, wenn die Hotelgäste daheim davon berichten. Obwohl der offizielle Eröffnungstermin noch zwei Wochen in der Zukunft liegt, steht das Hotel ab dem kommenden Freitag den Gästen offen – im Branchenjargon wird das „soft opening“, weiche Eröffnung, genannt. Mit der Nachfrage ist Dudeck zufrieden. Am 31. März sei das Hotel sogar bereits ausgebucht, sagt er. Bei den Schülern will sich Dudeck für die Bilder bedanken – und unter ihnen drei Frühstücke für je zwei Personen auslosen. Peer Straube
01.03.2011
SPD und CDU fordern Umkehr in der Schulentwicklungsplanung

Am Schulstandort in der Ernst-Haeckel-Straße soll statt der bisher vorgesehenen Filiale des Einstein-Gymnasiums eine Dependance für die Voltaire-Gesamtschule entstehen. Diese Option soll der Oberbürgermeister prüfen, fordern die Fraktionen von SPD und CDU/ANW in einem Dringlichkeitsantrag. Sie reagieren damit auf die bislang unbefriedigte Nachfrage nach mehr Gesamtschulplätzen für Schüler, die in die siebte Klasse wechseln.
Die Voltaire-Gesamtschule platzt aus allen Nähten. Für das kommende Schuljahr gab es dort 300 Anmeldungen für fünf Klassen der Stufe sieben. Angesichts von Klassenstärken zwischen 28 und 30 Schülern muss jeder zweite Bewerber abgewiesen werden, wenn die vorgeschlagene Filiallösung nicht greift. Die Infrastruktur der Schule, vor allem die zu kleine Mensa, reicht nicht einmal für die fünf Klassen, schätzen Lehrer und Elternvertreter ein. „Wir müssen uns dringend darüber klar werden, ob in der Haeckelstraße anstelle eines Gymnasiums eine Gesamtschule entstehen muss“, sagt die stellvertretende Bildungsausschussvorsitzende Manja Orlowski (SPD).
Bisher sah die städtische Planung die Filialbildung des Einsteingymnasiums als Vorstufe zur Gründung eines weiteren staatlichen Gymnasiums vor. Im Bildungsausschuss am 22. Februar wurde die entsprechende Verwaltungsvorlage mit Verweis auf das noch nicht abgeschlossene Übergangsverfahren in Klasse sieben (Ü 7) zurückgestellt. „Mittlerweile gibt es jedoch erste deutliche Tendenzen des Verfahrens, auch wenn es noch nicht formal abgeschlossen ist“, sagt Ausschussvorsitzender Michael Schröder (CDU). „Sie zeigen erneut eine deutliche Übernachfrage für Plätze in Gesamtschulen.“
Damit in dieser Situation keine Fakten geschaffen werden, plädieren Orlowski und Schröder dafür, im April nicht wie geplant einen Gymnasialbeschluss zu fassen, sondern die Gesamtschuloption mit zu untersuchen. Dafür brauche man jetzt Fachdaten wie die Eignung der Räume, sagte Schröder. (Von Volkmar Klein)
Mit emotionalen Reden und viel Anerkennung ist Ortrud Meyhöfer verabschiedet worden – ihr folgt Karen Pölk (12.02.11)
Irgendetwas muss sie richtig gemacht haben, wahrscheinlich alles. Sei es der frühere Bildungsminister Steffen Reiche, frühere Schüler der Schule, der Elternsprecher, Oberbürgermeister Jann Jakobs oder Schulamtsleiter Ulrich Rosenau – sie alle fanden warme und liebevolle Worte zum Abschied von Ortrud Meyhöfer, die am Freitagabend nach fast 18 Jahren als Leiterin der Voltaire-Gesamtschule in den Ruhestand verabschiedet worden ist. Sie hat in dieser Zeit mit ihrem Kollegium aus einer verloren geglaubten Einrichtung eine der begehrtesten Schulen der Stadt geformt und war dabei „beliebt, aber auch gefürchtet“, wie Jakobs es beschrieb.
Es war im Jahr 1993, als Jann Jakobs und Meyhöfer das erste Mal aufeinanderprallten. Der neue Jugendamtsleiter auf der einen und die neue Schulleiterin aus dem Westen Berlins auf der anderen Seite. Jakobs hatte damals vorgeschlagen, einen Jugendklub in der Schule einzurichten, damit das als problematisch geltende Schülerklientel der damaligen Schule 9 einen Ausgleich hat. „Alle waren begeistert von der Idee, nur Ortrud Meyhöfer nicht“, erinnert sich Jakobs. Da habe er gedacht: Na mal sehen, wann sie einknickt. Er hat schnell gelernt: Sie knickt nicht ein. Jakobs: „Am Ende bin ich eingeknickt.“ So war es häufig in Diskussionen mit Ortrud Meyhöfer. Nur Schulrat Ulrich Rosenau wähnt sich auf der Seite der Meyhöfer-Bezwinger: Es habe viele Treffen mit ihr gegeben und sie habe den Gedanken der Freiheit sehr verinnerlicht. „Doch sie hat nie die größere Weisheit des Schulamtes vergessen“, so Rosenau. Zumal: „Das Schulamt saß als Informeller Mitarbeiter jeden Morgen mit am Frühstückstisch“, witzelte er. Immerhin war Meyhöfers Ehemann Wolfgang Bogel-Meyhöfer jahrelang der für die weiterführenden Schulen in der Landeshauptstadt zuständige Schulrat.
Doch besser als alle anderen beschreibt sich Meyhöfer an diesem Abend im Saal des NH Hotels Voltaire selbst. Als das Mikrofon falsch stand, rief sie: „Das geht doch ganz einfach Kinder, ihr macht mal Folgendes: …“ Ein paar Worte später und schon hatte der frühere Bildungsminister Steffen Reiche alles umgestellt. Ein Sinnbild: Sie entwickelt Ideen, packt an, versucht Kollegen dafür zu begeistern und setzt sie um. Wenn es nicht gleich klappt, bleibt sie hartnäckig am Ball. „Bewegt“ nennen das Lehrer und Schüler, wenn sie über die Arbeit Meyhöfers reden.
Doch nun ist Schluss mit Schule, mit Unterrichtsvorbereitung, neuen Schulmodellen – nun ist sie Ruheständlerin, lebt in Wilhelmshorst und will sich in Zukunft anderen Dingen widmen. Reisen beispielsweise. Schüler Franz Braun, der vor dreieinhalb Jahren das Abitur an der Voltaire-Schule abgelegt hat, wusste noch eine andere anstehende Aufgabe, für die seine damalige Rektorin geeignet wäre: „Bildungsministerin! Doch der Job ist gerade neu vergeben“, sagte er.
Meyhöfer hat die Schule in den vergangenen Jahren geprägt. Sie hat große Projekte wie die Erarbeitung von Biografien verfolgter Juden in der Stadt Potsdam ins Leben gerufen, mit deren Hilfe dann sogenannte „Stolpersteine“ verlegt worden sind. Sie hat jeden Schulversuch gestartet, den das Land Brandenburg ins Leben gerufen hat. Ihre Schule ist die einzige Gesamtschule Brandenburgs mit einer Leistungs- und Begabungsklasse. Und es ist die einzige Schule des Landes, an der Schüler das Abitur regulär nach zwölf oder 13 Jahren ablegen können. „Sie hat ihren Beruf zur Berufung gemacht und hinterlässt ein großes Vermächtnis“, sagte Hikmet Güvenc, Botschaftsmitarbeiter der Türkei und jahrelang ehrenamtlich an der Schule tätig.
In Meyhöfers Spuren will ihre Nachfolgerin hineinwachsen. Karen Pölk wird ab Mittwoch die Leitung der Voltaire-Schule übernehmen, den Schulschlüssel dafür hat sie von Meyhöfer erhalten. „Heute ist mir erst richtig bewusst geworden, wie groß mein Mut gewesen sein muss, mich hier zu bewerben“, sagte sie. „Und wie groß die Latschen sind, die in der Schule stehen.“ Sie hofft, in zwei Jahrzehnten mit eben so viel Wehmut verabschiedet zu werden. Dann hätte auch sie alles richtig gemacht.
Von Jan Brunzlow
08.02.2011
Ortrud Meyhöfer verlässt die Voltaire-Gesamtschule, die sie 18 Jahre lang geleitet hat

1993 übernahm die West-Berlinerin als Direktorin die damalige Schule 9 – das Sorgenkind unter den städtischen Bildungseinrichtungen. Vor ihrer offiziellen Verabschiedung beantwortete die Schulleiterin Fragen von Claudia Krause.
Frau Meyhöfer, Sie waren eine der ersten Schulleiterinnen aus dem Westen in der Stadt. Wie hatten Sie die Schule vorgefunden?
Ortrud Meyhöfer: Sie war in einem katastrophalen Zustand. Es roch muffig, vieles war kaputt, kein Fenster heil und man spürte, hier stimmt irgendetwas nicht. Ich wurde zwar sehr herzlich aufgenommen, aber das Kollegium wirkte gelähmt, die Schüler waren zum Teil undiszipliniert. Aber ich hatte das Gefühl, man kann das hier schaffen. Gleich gefallen haben mir der Schinkel-Zaun und die Lage der Schule.
Warum wollten Sie in den Osten?
Meyhöfer: Es ging nicht unbedingt um den Osten. Ich wollte gern eine Leitungsfunktion übernehmen. Ich dachte, ich könnte das und hatte Mut dazu. Aus der Berliner Schule, aus der ich kam, war ich Problematisches gewohnt.
Haben Sie es jemals bereut?
Meyhöfer: Nie! Es war eine der faszinierendsten Aufgaben und Herausforderungen meines Lebens.
Hat man es Sie spüren lassen, dass Sie eine West-Frau sind?
Meyhöfer: Eigentlich nicht. Aber es gab mal einen hässlichen Spruch eines Schulleiterkollegen, der mich fragte, ob ich als Beamtin meine Mittagspause nicht lieber auf dem Ku’damm verbringen würde. Das fand ich sehr erschreckend.
... und dass Ihr Ehemann der Schulrat war?
Meyhöfer: Darin vermuteten viele fälschlicherweise Protektionismus. Die Entwicklung einer Schule verlangt täglich harte Arbeit und Innovation.
Heute ist die Schule eine der beliebtesten. Im vorigen Jahr hatten sich 300 Schüler auf 112 Plätze angemeldet. Wie haben Sie das geschafft?
Meyhöfer: Mit ganz kleinen Schritten. Ich habe viel vom Kollegium gelernt, auch, dass man Ängste und Erinnerungen zulassen muss. Da wurde aus der Lähmung schnell Engagement und Innovation. Wir haben mit Eckdaten begonnen und uns die Fragen gestellt: Was darf Schule und was nicht. Es musste erstmal Ordnung ins Haus.
Und es musste ein Profil her.
Meyhöfer: Ja. Ich bin noch heute meinem Oberstufenkoordinator Burkhard Ost dankbar, der ein Herz für neue Medien hatte. Außerdem war die Namensgebung Voltaire ein Schachzug: Der Name einer unbequemen Persönlichkeit passte, denn auch das macht Schule aus – unbequem sein. Wir haben geguckt, was noch nicht in der Schullandschaft vertreten war und setzten auf Fremdsprachen, auf die Geisteswissenschaften und MUK – Medien und Kommunikation. Im Übrigen habe nicht ich das geschafft, sondern wir alle im Team.
Den beiden am stärksten nachgefragten Gesamtschulen „Voltaire“ und „Lenné“ wird oft vorgeworfen, nur noch abiturfähige Schüler aufzunehmen. Haben Sie nur die Besten reingelassen?
Meyhöfer: Das stimmt nicht. Es gibt ein klares, gesetzlich geregeltes Aufnahmeverfahren. Es stimmt, dass wir sehr viele Widersprüche von Eltern abgelehnter Schüler erhalten. Aber alle unsere Entscheidungen haben den Überprüfungen standgehalten. Wir haben schon lange überwiegend Bewerber, die den höchstmöglichen Abschluss anstreben und ab Jahrgangsstufe 7 eine zweite Fremdsprache lernen wollen.
Muss es mehr Gesamtschulen in Potsdam geben?
Meyhöfer: Ich glaube nicht, dass das die Frage ist. Es ist nicht richtig, dass wirklich die Gesamtschule als Typ gewählt wird, sondern es sind immer die Philosophie, das Engagement der Schule, das heißt für Voltaire „Anspruch und Herz“, die Atmosphäre, die Inhalte, die die Eltern überzeugen, unabhängig von der Schulform, da sollte man sich nicht in die Tasche lügen. Was „Voltaire“ macht, hätten alle anderen Gesamtschulen auch machen können. Wir fanden, dass man alles „unter einem Dach“ haben muss – von der Leistungs- und Begabungsklasse Jahrgang 5 bis zur 13. Jahrgangsstufe, auch das Abitur nach zwölf Jahren. Es gibt „Brüche“ in den Lebensläufen mancher Kinder, nach denen man sie nicht einfach sitzen lassen oder woanders hin abschieben darf, sondern ihnen dann unter dem gleichen Dach eine andere, für sie günstigere Schiene anbietet. Wir haben diesbezüglich dramatische Geschichten erlebt.
Wie sehen Sie die Voltaire-Schule heute? Worauf sind Sie am meisten stolz?
Meyhöfer: Ich gebe eine sehr gesunde Schule ab und hoffe, dass sie in Bewegung bleibt. Stolz bin ich auf ein Kollegium, das sich nicht scheut, mehr Zeit und Anstrengung in die Arbeit zu stecken, damit das eingeführte individualisierte Lernen gelingt, denn wir wollen den Kindern nicht containerweise das Wissen einschütten. Unser Schwerpunkt liegt darin, zu schauen, was die Kinder selbstverantwortlich tun können. Die Diagnostik erfordert aber viel Vorbereitung. Fortbildungen und Evaluierung werden nicht infrage gestellt. Stolz bin ich auf das hohe Maß an Transparenz und das unbedingte Team-Handeln von Lehrern, Eltern und Schülern, auf die Handschrift und den ästhetischen Rahmen der Schule. Absolut stolz bin ich auf die Schülerschaft, auf ihr Niveau, ihre Werte, auf den Umgangston und die Hilfsbereitschaft. Die Schülerinnen und Schüler bestimmen die Atmosphäre im Schulhaus.
Welcher war Ihr größter Fehler und was hätten Sie gern noch erledigt gehabt?
Meyhöfer: Fehler? Selbstkritisch muss ich sagen, dass ich keinen Modellversuch ausgelassen habe. Möglicherweise habe ich damit den Kollegen sehr viel zugemutet. Da hätte man vielleicht etwas sanfter sein können. Stundenplanbau ist absolut nicht meine Stärke! Völlig unzumutbar ist die marode Aula. Sie ist viel zu klein für 800 Schüler und wurde nie saniert. Das ist unhaltbar. Vorerst ist keine Lösung avisiert. Aber meine Eltern werden da nicht locker lassen.
Sie hätten schon im vorigen August in Rente gehen können? Warum taten Sie es nicht?
Meyhöfer: Ich wollte die Schule nicht lange ohne Schulleiterin lassen und sie akkurat und persönlich übergeben. Jetzt ist eine taffe Nachfolgerin gefunden. Ich hoffe, dass sie nach Ablauf der Widerspruchsfrist ernannt wird.
Was haben Sie jetzt als Pensionärin vor?
Meyhöfer: Ich möchte noch etwas Berufliches machen; ist aber noch nicht ganz spruchreif. Ich freue mich, endlich nicht mehr in den Schulferien verreisen zu müssen und möchte häufiger nach New York fliegen, um unseren jetzt vierjährigen Enkel sehen zu können. Und vielleicht beginne ich wieder mit dem Reiten.
Offiziell verabschiedet von ihrer Schule und dem Förderverein wird Ortrud Meyhöfer am 11. Februar auf dem Voltaire-Ball im Voltaire-Hotel.
01.10.2010
Israelische Jugendliche zu Gegenbesuch an der Voltaire-Gesamtschule

POTSDAM / INNENSTADT - Sie sitzen in kleinen Gruppen beieinander, Israelis und Deutsche, und unterhalten sich ungezwungen. Kein Wunder, schließlich sind sie so etwas wie alte Bekannte: Zwölf Jugendliche aus der israelischen Stadt Herzliya wurden gestern in der Voltaire-Gesamtschule herzlich begrüßt. Sie erwidern einen Besuch von jungen Potsdamern, die im November vergangenen Jahres in Begleitung von Oberbürgermeister Jann Jakobs und Vertretern des Potsdamer Instituts für Software-Qualität (ISQI) zu einer fünftägigen Studienreise nach Israel aufgebrochen waren. Untergebracht waren die Potsdamer damals in den Familien von Mädchen und Jungen der Harishonim High-School. Jetzt sind die Voltaireschüler eine Woche lang die Gastgeber.
War die Reise für die jungen Potsdamer eine Auszeichnung für ihre Recherchen im Projekt „Stolpersteine“ – wie berichtet, hatten sie zu Schicksalen Potsdamer Juden recherchiert, die von den Nazis verschleppt und ermordet worden sind – so steht auch jetzt ein Geschichtsprojekt im Mittelpunkt des Aufenthaltes: Deutsche und Israelis befassen sich gemeinsam mit Aspekten des geteilten Deutschlands. „Wir haben uns dazu in Gruppen aufgeteilt“, berichtete Josefine Makarian, eine Voltaire-Schülerin aus der 12. Klasse. „Jeder konnte sich für verschiedene Einzelaspekte eintragen wie zum Beispiel das allgemeine Leben in dieser Zeit oder das Leben der Kinder“, erläuterte sie. Am kommenden Freitag werden die Resultate der gemeinsamen Projektarbeit in englischer Sprache präsentiert.
Natürlich sei das Projektthema auch wegen des aktuellen Bezugs ausgewählt worden, sagte Religionslehrerin Ulrike Boni Jacobi, die vor einem Jahr die Beteiligung der Voltaire-Schule am Projekt „Stolpersteine“ ins Rollen gebracht hat. „Schließlich feiern wir am 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit“. Zum anderen gebe es aber auch „gewisse Parallelen zu der heutigen Situation in Israel“, so Boni Jacobi. In Bezug auf die Konflikte zwischen Israel und der palästinensischen Bevölkerung gibt es auch eine Mauer – in vielen Köpfen und auch eine in Beton.
Thematisch ergänzt wird das Programm der jungen Israelis in Potsdam durch Besuche des „Mauer-Museums“ am Checkpoint Charly in Berlin, des jüdischen Museums und der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße.
„Solche Begegnungen und Freundschaften sind der Schlüssel für eine verständnisvolle und friedliche Zukunft“, sagte Voltaire-Schulleiterin Ortrud Meyhöfer. Sie habe die Vision, eines Tages Schüler aller Voltaire-Partnerschulen gemeinsam nach Potsdam einzuladen. Neben der Highschool in Herzliya sind dies Schulen unter anderem in Paris und in Finnland. (Von Romy Strobel)
21.06.2010
Ex-Sowjetarmist saß in KGB-Gefängnis Leistikowstraße / Gespräch mit Voltaire-Schülern

POTSDAM / NAUENER VORSTADT - „Kämpft für eure Bürgerrechte und macht keine Dummheiten, die euch teuer zu stehen kommen können.“ Das ist Withold Abankins Botschaft an die Jugendlichen. Der Ex-Sowjetsoldat, der 1966 mehrere Monate im damaligen KGB-Gefängnis an der Leistikowstraße einsaß, ist seit Montag in Potsdam. Das Treffen mit einer 8. Klasse der Voltaire-Gesamtschule wurde auf seinen Wunsch hin in der Gedenkstätte organisiert, auf den Fundamenten der früheren Freigangzellen. Abankin will über seine Vergangenheit reden, über gesellschaftliche Zusammenhänge.
Die Leistikowstraße ist 1966 für Abankin Endstation eines Fluchtversuchs aus einer Kaserne in Werder/Havel, von wo aus er sich nach West-Berlin durchschlagen wollte. „Ich rechnete mit dem Schlimmsten, mit der Todesstrafe“, sagte er. Doch es kam anders: Ende 1966 begann eine Odyssee durch mehrere Durchgangslager, bis er nach Mordowien kam. Entlassen wurde er zwölf Jahre später, das Datum kann Abankin, der kaum Deutsch spricht, deutlich aussprechen: am 4.8. 1978, aus einem Lager bei Perm.
Der Grund des Fluchtversuchs waren gesellschaftskritische Gedichte, die ein Vorgesetzter bei Abankin gefunden hatte. Der fürchtete, wegen der Texte Probleme zu bekommen. Probleme mit dem Sowjetregime hatte seine Familie schon früh. Abankin war erst wenige Monate alt, als seine Mutter verhaftet wurde; sie hatte Flugblätter gegen das Stalinregime verteilt und wurde in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, wo sie starb. Sein Vater war Marineoffizier, aber kritisch eingestellt. Er schrieb seinem Sohn in die Haft tröstende Briefe: „Bleibe standhaft, das Regime wird auch nicht ewig halten.“ Der Glaube an Gott und die Hoffnung, dass das Gute über das Böse siegt, habe ihm Kraft gegeben, diese Zeit zu überstehen, sagt Abankin. Und irgendwie hatte die Haft, so absurd es klingt, auch ihr Gutes. Er hat viele gute Menschen kennen gelernt, berühmte Künstler, Dichter, manche verbrachten fast ihr ganzes Leben in Straflagern.
Abankin besucht heute Gefängnisse und Lager, setzt sich für Publikationen von Dichtern ein. Kürzlich hat er an seinem Heimatort Rostow am Don eine Musikgruppe mit dem Namen „Artikel 58“ gegründet. Nach diesem Artikel aus dem russischen Strafgesetzbuch der 20er Jahre waren viele Insassen der Leistikowstraße verurteilt worden.
Leider hat er seinen Vater nicht mehr wiedergesehen, er starb zehn Monate, bevor Abankin entlassen wurde. „Er hätte mich besuchen können, aber ich wollte ihm die peinliche Prozedur der Durchsuchung ersparen – die hätten ihm ja sogar in den Arsch schauen wollen“, sagt er. Regungslos. (Von Steffi Pyanoe.)
16.03.2010
Zu wenig Gesamtschulen

Die Gesamtschule bleibt die beliebteste Schulform in der Landeshauptstadt. Etwa die Hälfte der 1079 Schüler, die sich für eine der weiterführenden städtischen Schulen in Potsdam entschieden haben, möchten an einer Gesamtschule lernen. Das teilte Ulrich Rosenau vom Staatlichen Schulamt gestern mit. Nun müssen die Schüler, deren Wunsch sich nicht erfüllen lässt, an andere Schulen verteilt werden.
In Potsdam können 310 Schüler, also rund ein Drittel der Anmeldungen, nicht an ihrer Lieblingsschule lernen. Zudem reiche die Gesamtkapazität der Potsdamer Schulen derzeit nicht aus, um alle Anmeldungen zu berücksichtigen. Aus den Anmeldezahlen des Schulamtes geht aber auch hervor: Die vier Oberschulen haben 55 Prozent mehr Anmeldungen als im vergangenen Jahr und das neue Babelsberger Gymnasium hat mit nur sieben Anmeldungen einen Fehlstart hingelegt.
Das staatliche Schulamt sieht bei der Verteilung der Plätze Spielräume. Oberschulen und Gymnasien der Landeshauptstadt hätten mehr Platz als Anmeldungen, teilte Rosenau mit. Und auch die Steuben-Gesamtschule habe noch Kapazitäten. Jedoch wird das nicht reichen, um die 127 Anmeldungen, die an der Voltaire- sowie der Lenné-Gesamtschule zu viel sind, aufzufangen. In Brandenburg an der Havel, Sitz des Schulamtes, wird daher davon ausgegangen, dass sich das Bild noch deutlich verändert. Schüler aus dem Umland, die sich in Potsdam angemeldet haben, würden womöglich doch in ihrer Region zur Schule gehen. In den letzten Jahren kamen statistisch gesehen von 130 Schülern in den siebten Klassen 30 aus Potsdam-Mittelmark und der Region. „Die Zahl der nötigen Umorientierungen ist in Potsdam aber erheblich“, teilte Rosenau mit. Wenn der Bedarf es erfordere, „werden zusätzliche Klassen gebildet. Dies ist aber nur möglich, wenn die räumlichen Bedingungen es zulassen“. Bei den ohnehin übernachgefragten Schulen sei dies allerdings nicht der Fall. Mehr Anmeldungen als Plätze haben die Gesamtschulen Voltaire (229 Anmeldungen) und Lenné (211) sowie die Gymnasien Helmholtz (117) und Humboldt (114). Auch die Montessori-Oberschule ist mit 54 Anmeldungen mehr als ausgelastet.
Potsdam bildet im Schulamtsbezirk Brandenburg (Havel) beim Anwahlverhalten der Schüler und Eltern eine Ausnahme: Nur 13 Prozent der angemeldeten Schüler wollen an einer Oberschule lernen – das ist der geringste Wert im Vergleich der Anmeldezahlen von der Stadt Brandenburg (48 Prozent) sowie den Kreisen Havelland (24) und Potsdam-Mittelmark (32). Aber auch der Wunsch, ein Gymnasium zu besuchen, ist in Potsdam am wenigsten ausgeprägt. Nur 36 Prozent der Anmeldungen gab es in diesem Schuljahr für eines der fünf städtischen Gymnasien. In Brandenburg (Havel) sind es 52 Prozent, im Havelland 49 Prozent und in Potsdam-Mittelmark 60 Prozent.
In der städtischen Schulverwaltung geht man sogar von steigenden Schülerzahlen in den nächsten Jahren aus. Daher werden bis spätestens 2016 drei neue weiterführende Schulen in Potsdam eröffnet: Eine im Schilfhof am Schlaatz, ein Gymnasium in der Haeckelstraße in Potsdam-West sowie eine Schule, deren Standort und Finanzierung noch geklärt werden, im Bornstedter Feld.
12.03.2010
Austausch Finnische Gastschüler in Potsdam
POTSDAM / INNENSTADT - Das Beste, sagte Tuomas Lohi zum Erstaunen der deutschen Schüler am Ende seines fünftägigen Aufenthaltes in Potsdam, sei der billige Döner gewesen. „In Finnland zahlt man dafür fünf Euro.“ Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu seiner Heimat, der dem 17-jährigen Gastschüler aufgefallen ist.
Seit vergangenem Donnerstag war Tuomas gemeinsam mit neun Mitschülern zu Besuch in Potsdam, darunter auch Halina Lehto, die sich in der Landeshauptstadt sehr wohl fühlte – und sich darüber freute, dass Schuhe und Kleidung in Deutschland offenbar ebenfalls günstiger sind als in Finnland.
Die 18-Jährige spricht seit ihrer Kindheit Deutsch, als sie klein war, lebte sie in Süddeutschland. Mitschüler Tuomas lernt die Sprache seit sieben Jahren in der Schule. Die Lernbedingungen in Finnland seien ganz andere, sagte er, und Halina pflichtete ihm bei: „Bei uns sind in jedem Kurs über 20 Leute, hier sind es meist weniger.“ Dafür verfüge in Finnland jeder Klassenraum über Computer und Beamer.
Die deutschen Gastgeber wunderten sich noch über anderes: die guten Ortskenntnisse ihrer Gäste. „Die finnischen Lehrerinnen kannten sich in Berlin teilweise besser aus als wir“, sagte Lena Kuhnke beeindruckt nach einem Ausflug in die Hauptstadt am Samstag.
Sie hat die Gelegenheit des finnischen Besuches auch dazu genutzt, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. „Eins heißt auf finnisch ‚Yksi' und Zwei ‚Kaksi'!“ Im Herbst startet sie zum Gegenbesuch nach Helsinki. (Von Friederike Steemann)
02.03.2010
Potsdamer Wirtschaftsjunioren kürten Sieger im bundesweiten Nachwuchs-Wettbewerb
POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Bis zur Entscheidung wirkten alle sehr gelassen. Einige der 43 aus ganz Deutschland angereisten Finalisten wippten zur Pop-Musik, die aus den Lautsprechern im Foyer des Verlagshauses der Märkischen Verlags- und Druckgesellschaft an der Friedrich-Engels-Straße schallte; andere knabberten cool an aus Cola-Flaschen ragenden Strohhalmen.
„Ganz okay“ sei das Programm bisher gewesen, das die Potsdamer Wirtschaftsjunioren für sie organisiert hatten, sagten die Neuntklässler Janina Prepeluh, Tobias Orth, Lea Löser und Thomas Prost, die sich an einem Stehtisch in der Nähe der kleinen Bühne postiert hatten. Sie waren am Freitag aus München, Trier, Ansbach und Stralsund angereist, um ihren jeweiligen lokalen Kreis der Wirtschaftsjunioren beim diesjährigen Finale von „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ in Potsdam zu vertreten.
Nach Besuchen des Gatower Luftwaffenmuseums und der Flughafenbaustelle in Schönefeld sollte an diesem Samstagabend endlich die entscheidende Frage geklärt werden: Wer hatte am besten abgeschnitten bei dem einstündigen Test, den die Kandidaten am Vormittag in der IHK Potsdam hatten absolvieren müssen? „Für mich hat sich die Reise vor allem gelohnt, wenn ich gewinne“, sagte die Münchnerin Janina, die gleichzeitig aber wenig Hoffnung hatte, während Thomas aus Stralsund sich mit „das war alles Können“ selbst Mut machte.
Als die ersten drei Namen fielen, war der des 14-Jährigen dann auch tatsächlich dabei – allerdings, ohne dass er einen Preis bekommen sollte. Die Veranstalter hatten sich den besonderen Spannungsbogen überlegt, erst die Schüler aufzurufen, die nicht zu den Siegern zählten. Thomas hatte zwar nicht gewonnen, seine Hand zitterte aber trotzdem vor Aufregung, als er später die Urkunde zeigte, die ihm Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) überreicht hatte – nicht ohne vorher lachend Schwächen zuzugeben: „Auch ich hätte nicht alle Fragen beantworten können“.
Olaf Mauga, Sprecher der Potsdamer Wirtschaftsjunioren, rief alle Teilnehmer mit Namen auf die Bühne, jeder bekam eine Medaille und Urkunde. „Geht damit hausieren“, riet er den Jugendlichen, schließlich zählten sie zu den „klügsten Schülern“ Deutschlands. Als die drei Sieger nacheinander auf die Bühne gerufen wurden, reagierten sie unterschiedlich auf die unverhoffte Aufmerksamkeit.
Nils Engel, dem der dritte Platz einen 100-Euro-Gutschein eines Elektronik-Fachmarktes einbrachte, wollte die Bühne am liebsten sofort wieder verlassen, stufte den Auftritt aber als „Erlebnis“ ein. Felix Faber, der als zweiter Sieger ein 200-Euro-Gutschein bekam, nahm den Trubel gelassen – und die erstplatzierte Justine Klotz musste sich eine Freudenträne aus dem Augenwinkel wischen.
Sie habe sich selbst „im Mittelfeld“ gesehen, sagte die 14-Jährige später, Mathematik interessiere sie mehr als Wirtschaft. Und ihre Eltern seien auch keine Wirtschaftswissenschaftler, wie vielfach vermutet: „Mein Vater ist Straßenbahnfahrer, meine Mutter arbeitet im Kindergarten“. (Von Eva-Maria Träger)
25.02.2010
Eine von 50 000

15-Jährige nimmt als einzige Potsdamerin am Bundesfinale von „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ teil (25.02.10)
13.02.2010
VOLTAIRE mit Filmmuseum auf Tandem schule Jury nominierte Potsdamer Einrichtungen für ein Modellprojekt

INNENSTADT Die VOLTAIRE-Gesamtschule und das Filmmuseum sind von einer Expertenjury in Essen ausgewählt worden, am Projekt „schule@museum“ teilzunehmen. Dabei wird bis zum Herbst 2011 jeweils ein „Tandem“ aus Schule und Museum pro Bundesland eine langfristige Kooperation entwickeln und erproben. Ziel des Projekts ist es, Schüler für die Institution Museum zu begeistern, sie an gesellschaftspolitische Themen heranzuführen und den Unterricht durch kulturelle Bildung zu bereichern. Das Projekt ist eine Gemeinschaftsaktion des BDK-Fachverbands für Kunstpädagogik, des Bundesverbandes Museumspädagogik, der Bundeszentrale für politische Bildung, des Deutschen Museumsbundes und der Stiftung Mercator, die das Projekt mit 132 000 Euro fördert. „Schule@Museum“ gehört zu einer Reihe von Bildungsprojekten, durch die Mercator kulturelle Bildung im Unterricht verankern möchte. In Vorbereitung der neuen Dauerschau „100 Jahre Film in Babelsberg“, die am 3. November 2011 zum Jahr des Films ihre Tore öffnen soll, werden Kuratoren und Museumspädagogen des Filmmuseums gemeinsam mit Schülern und Lehrern der VOLTAIRE-Gesamtschule an der Entwicklung der Schau arbeiten. Die Schüler sollen mit dem Medium Film und seiner Wirkung konfrontiert werden und darlegen, wie sie in einem Museum angesprochen werden möchten. Ihr Konzept kann dann in eine Führung für Schüler, in Beiträge oder Spiele fürs Handy münden – oder als unterhaltsamer Kommentar die Ausstellung bereichern. So soll gleichaltrigen Besuchern eine Orientierung gegeben werden und den Teilnehmern eine lebendige Auseinandersetzung mit den Filmberufen, der Filmherstellung und der Geschichte der Babelsberger Studios möglich werden. MAZ
12.02.2010
Neun Potsdamer Schulen an Benefizaktion zugunsten der Kinder in Haiti beteiligt / Viel Beifall bei Konzert im Nikolaisaal

Fünf Gymnasien und zwei Gesamtschulen sandten am Mittwoch- abend Solisten und Ensembles zu einem Konzert in den Nikolaissaal, dessen Erlös den Kindern in Haiti zugute kommt.
Von Matthias Müller
INNENSTADT Liebeslieder von Brahms, eine Beethoven-Sonate, aber auch Klavier-Improvisationen im Stile des legendären „Köln Concert“ von Keith Jarrett oder ein Solo am Schlagzeug, das wohl niemanden im Saal mehr stillsitzen ließ – es war ein abwechslungsreicher Abend, der am Mittwoch im Nikolaisaal geboten wurde. Das Besondere: Potsdamer Schüler hatten die Idee zu diesem Konzert, Potsdamer Schüler organisierten es, und Potsdamer Schüler standen als Akteure auf der Bühne.
Das verheerende Erdbeben in Haiti, das Leid der Überlebenden und der Wunsch, helfen zu wollen, hatten den Schülersprecher des Einstein-Gymnasiums, Paul Böttcher, und seine Amtskolleginnen vom Humboldt-Gymnasium, Hannah Beetz und Hanna Remde, auf die Idee für dieses Konzert gebracht. Den Erlös erhält die „Kindernothilfe“ für ihre Arbeit in Haiti. 4100 Euro kamen bislang zusammen, so Böttcher gestern, Tendenz steigend, da einige zugesagte Spenden von Sponsoren in der Summe noch unberücksichtigt sind.
Als Schirmherrn für das Konzert hatten die Jugendlichen Ministerpräsident Matthias Platzeck gewinnen können, der ihnen zu ihrer großen Freunde auch bei den Veranstaltungskosten unter die Arme griff. Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp, der stellvertretend für Platzeck gekommen war, lobte das soziale Engagement und das organisatorische Durchhaltevermögen der Jugendlichen, und Potsdams Schulfachbereichsleiterin Josefine Ewers sagt angesichts der vielen Akteure auf der Bühne, Potsdam könne stolz auf seine Jugendlichen sein. Unter Jubel und Beifall sagte sie, Oberbürgermeister Jann Jakobs werde 500 Euro zur Benefizaktion beisteuern.
Musikalisch wurde der Abend zu einer beeindruckenden Leistungsschau. Beispiele aus der Jazz-, Rock- und Popgeschichte dominierten das unterhaltsame Programm. Akteure waren unter anderem die Band des Humboldt-Gymnasiums, die Helmholtz-Bigband oder das „Tonwerk“ des Einstein-Gymnasiums; Ferdinand Becker von der VOLTAIRE-Gesamtschule versetzte das Publikum mit einer virtuosen Improvisation am Schlagzeug in Erstaunen. Vom Leibniz-Gymnasium interpretierten Maximilian Sterr und Sebastian Hanke als klassisches Gitarrenduo Eric Claptons „Tears in Heaven“, und Stefan Schneider – ebenfalls „Leibniz“ – überzeugte mit einer gekonnten Interpretation des ersten Satzes aus Beethovens „Sturmsonate“. Klassisch ging es auch beim Chors des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder zu, der fünf Beispiele aus dem Liebeslieder-Walzer für Klavier zu vier Händen und vierstimmigen Gemischten Chor von Johannes Brahms zu Gehör brachte.
Kurz vor der Pause dann stellte Horst Krapohl die Arbeit der „Kindernothilfe“ vor, einem christlichen Hilfswerk, das Projekte in aller Welt unterstützt. Besonders prekär gestalte sich die Lage derzeit in Haiti, wo nach dem Beben fünf der sechs Projekte, darunter Kinderzentren und Schulen, schwer beschädigt sind. Neben der medizinischen und der Versorgung mit Lebensmitteln gehe es im Augenblick vorrangig um den Schutz der Jüngsten vor gewalttätigen Übergriffen sowie um die psychologische Betreuung von traumatisierten und Waisenkindern, sagte Krapohl. So informativ sein Vortrag über die Arbeit in Haiti, dem wohl ärmsten Land der westlichen Hemisphäre, war – im Kontext mit der großen Dichte des Programms zuvor geriet der erste Teil des Konzertes mit 90 Minuten ein Stück zu lang.
Ungeachtet dessen riss die gute Stimmung auch in der zweiten Hälfte nicht ab. Zu den Höhepunkten hier zählte der Auftritt von Karla Stolle (VOLTAIRE), die mit ihrer Familie das Feder-Thema aus dem Film „Forrest Gump“ spielte. Die Gruppe „Jazzillusioniert“ (Helmholtz) begeisterte mit dem Duke-Ellington-Klassikers „In a Sentimental Mood“ für Tenorsaxophon, Piano, Schlagzeug und E- Bass. Und Richard Oeckel (Einstein) brillierte – gleichsam das Finale des Abends – am Flügel mit Titeln von Jarrett und Silver.
12.02.2010
Sprachlos auf der Bühne

Über 4000 Euro kamen beim Schul-Benefizkonzert im Nikolaisaal für Haiti zusammen (12.02.10)
Innenstadt - Einige waren sprachlos am Mittwochabend auf der Bühne des Nikolaisaals. In erster Linie Vertreter des Vereins Kindernothilfe. Für die Kinderhilfsprojekte im Erdbebenkatastrophengebiet Haiti gingen über 4000 Euro an Spenden an den Verein – gesammelt von Potsdamer Schülern bei einem Benefizkonzert am Dienstagabend im Nikolaisaal.
Und auch der Initiator dieser Konzert- Idee, Paul Böttcher, war gestern, am Tag nach dem Konzert, noch überwältigt vom Erfolg seiner Spontanidee. Innerhalb von zwei Wochen stellte der Abiturient des Einstein-Gymnasiums mit tatkräftiger Unterstützung der Humboldt-Gymnasiastinnen Hannah Beetz und Hanna Remde und vielen anderen Helfern ein über zweistündiges Musikprogramm Potsdamer Schüler zusammen. Und Lehrer, Eltern, Schüler sowie andere Potsdamer kamen in Scharen: der Nikolaisaal war nahezu ausverkauft – jeder Besucher zahlte sieben Euro in die Spendenkasse. Neun Schulen hatten sich mit Chören, Musikgruppen, Bands und Solisten am „Benefiz für Haiti“ beteiligt. Es war nahezu eine künstlerische Leistungsschau Potsdamer Schulen, die zugunsten der Erdbebenopfer präsentiert wurde. „Es gab auch hinter der Bühne keinerlei Schulkonkurrenz, alle haben sich gefreut, mithelfen zu können“, so Böttcher. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wollte bei der Hilfe nicht nachstehen und garantierte als Schirmherr des Konzerts eine Spende von 700 Euro. Mit diesem Geld und zugesagten Spenden von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) werde man zuerst die Unkosten bezahlen, so Böttcher. Zwar hatte der Nikolaisaal schon im Vorfeld auf die Saalmiete verzichtet, allerdings muss Böttcher die Personalkosten tragen.
Die genau 4096 Euro sind der Reinerlös des Benefizkonzerts. „Da werden sicherlich noch ein paar Euros dazukommen“, kündigte Böttcher an. An allen neun teilnehmenden Schulen – von der Primarstufe bis zur weiterführenden Einrichtung – gab es parallel zum Konzert in den vergangenen 14 Tagen noch weitere Spendenaktionen wie Kuchenbasare. „Dieses Geld soll natürlich auch noch an die Kindernothilfe überwiesen werden.“ Doch dann heißt es für Robert Böttcher erst einmal wieder vom Konzertmanager zum Schüler zu wechseln: Denn das Abitur steht im Frühsommer an. KG
13.01.2010
Voltaire-Gesamtschüler wurden zu Regisseuren, Autoren, Fotografen

Für den Medien- und Kommunikationskurs (Muk) des 13. Jahrgangs der Voltaire-Gesamtschule hieß es nach den Weihnachtsferien: Gesellenstücke abgeben – ein eigenes Medienprodukt. Manche Schüler hatten sich in Gruppen zusammengefunden, andere waren bei der Arbeit seit Beginn des Schuljahres lieber allein geblieben.
Julia, Bettina und Silke, alle 18 Jahre alt, drehten unter dem Namen „BeJuSi-Productions“ ihren eigenen Spielfilm. Da ihre großen Geschwister zuvor auch im Muk-Kurs gewesen waren, bekamen Bettina und Julia schon in der Sekundarstufe 1 mit, wie diese ihre Medien erstellten. In der 11. Klasse dann entschieden sich beide ebenfalls für Muk. „Ich fand das einfach faszinierend, sowas mal selbst zu produzieren“, sagt Julia. „Träumerei – Now I can see the light“ heißt der fertige Film, der zunächst nur in einer Vorstellung für Mitwirkende, Freunde und Familie zu sehen sein wird.
Helene (19) produzierte einen Dokumentarfilm über den Aufbau einer Sauna in Potsdam. Sie begleitete 30 Helfer über zwei Wochen Bauzeit. Ihr Film trägt schlicht den Titel „Projekt: Sauna“.
Robin und Steffen (20) arbeiteten an einem ungewöhnlichen Fotoprojekt, für das sie noch keinen Titel haben. Zu jedem ihrer Fotos gibt es Töne, die einen Gegensatz zum Bild bilden. Die beiden fotografierten unter anderem einen Kinderspielplatz, zu dem in der Ausstellung ein Autobahngeräusch zu hören sein wird. Die zehn bis zwölf Fotos werden am Tag der offenen Tür ausgestellt.
Ich selber schrieb ein Buch über eine befreundete Band: „Fugalo“. Es heißt „Was Backstage so läuft“ und enthält neben der Bandgeschichte auch Porträts über die Musiker, Songtexterklärungen und viele Fotos.
Die Arbeit am Buch hat mir zwar Spaß gemacht, kostete aber auch viele Nerven, da versprochene Texte mit weiteren Informationen oft nicht pünktlich bei mir landeten und auch die Technik nicht immer so wollte wie ich.
Nach den vier Monaten Arbeit an „Was Backstage so läuft“ ist es ein tolles Gefühl, das gebundene Buch endlich in der Hand halten zu können. Denn gedruckt wirkt es nochmal viel besser als nur virtuell auf dem PC.
(Von Friederike Steemann)
19.12.2009
Junge Börsenkenner

Voltaireschüler siegen bei Planspiel
POTSDAM / INNENSTADT - Spiel, Satz und Sieg: Das Team „Lehman Brothers“ von der Voltaire-Gesamtschule hat beim „Planspiel Börse“, der von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) mit ausgetragenen Wirtschaftssimulation, in der Region Potsdam den Gesamtsieg errungen. Tom Fischer, Ansgar Engels und Edith Christin Hauch konnten ihr Depot innerhalb von zehn Wochen um 6,49 Prozent steigern. Für ihren Erfolg bekamen die Teammitglieder gestern von Petra Hörnlein, der Filialchefin der MBS am Luisenplatz, je eine echte historische Aktie überreicht. Die Elftklässler belegten vor allem durch Aktienkäufe von Walt Disney und Google Platz 1. Der US-Medienkonzern machte innerhalb des Spielzeitraumes 16,8 Prozent plus; die Internet-Suchmaschine verzeichnete sogar einen Kursanstieg von 22,1 Prozent. Bei einem Startkapital von 50 000 Euro wies das Depot der „Lehman Brothers“ am Ende exakt 53 246,98 Euro aus – virtuell natürlich, nicht echt. Sieger im gesamten Geschäftsgebiet der MBS wurde übrigens eine Schülergruppe aus Zehdenick (Oberhavel), die auf 54 970 Euro kamen. In Deutschland bedeutet das Rang 231. Die Bundessieger kommen aus Flensburg und hatten am Ende 59 623 Planspiel-Euro im Depot. (MAZ)
07.07.2009
Potsdamer Voltaire-Gesamtschule gewinnt den Wanderpokal beim Leo-Cup im Luftschiffhafen

„Der hat gesessen!“ Robert Fiebag freute sich über einen satten Schuss aus 18 Metern in den Dreiangel des gegnerischen Tores auf dem Kleinfeld und am Ende über den Sieg der Voltaire-Gesamtschule beim 2. Leo-Fußball-Cup-Turnier im Luftschiffhafen. Neunt- und Zehnklässler aus vier Potsdamer Schulen wetteiferten auf dem neuen Kunstrasen um den Wanderpokal, den Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer als Schirmherr der Veranstaltung an Kapitän Fiebag überreichte. Der 16-Jährige, der zu den B-Junioren des SV Babelsberg 03 gehört, markierte zehn der 15 Tore der VoltaireSchüler. Fiebag lobte den Teamgeist seiner Mannschaft, die ohne Gegentor geblieben war, und die Veranstaltung: „Das hat Spaß gemacht, und man kommt sich mit den anderen näher.“
Das war auch das Anliegen des Ausrichters. Zwanzig junge Leute im Alter von 18 bis 32 Jahre engagieren sich seit vier Jahren im Leo-Club Potsdam, dessen Anliegen Präsidentin Marlene Gericke nennt: „Wir engagieren uns für sozial Benachteiligte.“ Beim zum zweiten Mal ausgetragenen Leo-Fußball-Cup-Turnier wird der Bogen noch weiter gespannt: „Dies ist ein Jugendprojekt, bei dem wir das Miteinander fördern wollen.“ Unterstützung bekam der Leo-Club auch vom Stadtsportbund, der den Platz besorgte und eine Musikanlage aufstellte.
Die 23-jährige Präsidentin Gericke, die BWL an der Humboldt-Uni studiert, wuselte während des Turniers zusammen mit ihren Mitstreitern stundenlang um die Spielfläche. Immer wieder klingelte das Handy, während hinter ihr das große blaue Banner des Leo-Clubs am Mast den Veranstalter auswies. „Ich fülle gerade einen fetten Scheck aus“, beschied sie einem Anrufer. Neben dem Wanderpokal gab es für die Gewinner 100 Euro, der Fontane-Oberschule als zweitplazierter Mannschaft gingen 50 Euro zu. Dritter wurde ein schulübergreifendes Team von Schiller-Gym, Waldorf-Schule und Gym Hermannswerder vor der Käthe-Kollwitz-Oberschule.
Die Leo-Club-Mitstreiter haben schon einiges auf die Beine gestellt. Sie starten Sammelaktionen für die Potsdamer Tafel und die Suppenküche. Sie rücken zum Äpfelpflücken auf Plantagen. Die Produkte werden gegen Spenden verteilt. Beim Leo-Cup-Turnier schleppten die Mitglieder Getränke, Äpfel und Bananen für die Teilnehmer heran.
Nach dem Auftritt der Schüler ging es im Luftschiffhafen mit dem zweiten Benefizturnier bis zum späten Abend weiter. Acht Teams traten an, unter ihnen die Sparkasse, die Investionsbank des Landes sowie aus Berlin und die Condio GmbH aus Werder. Die Startgebühr von je 110 Euro kommt der Jugendolympiade von Potsdam mit der Partnerstadt Luzern im September zu Gute,
Wer sich den uneigennützigen Geistern von Leo anschließen möchte, kann sich jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Café Heider einfinden. (Von Detlef Braune)
20.06.2009
Geschichtsprojekt für Jugendliche startete im Waisenhaus

Das Motto klingt eher nach dem Ende eines Liebesaffäre als nach einem Jugendwettbewerb: „Du bist Geschichte“ heißt ein Jugendmedien-Projekt, das anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls junge Menschen, die zu der Zeit noch nicht geboren waren, an jene jüngste Zäsur deutscher Geschichte heranführen soll. Mit ihren Ideen zu einem Film konnten sich Gruppen, Clubs oder einzelne Jugendliche bewerben, zur Eröffnung gestern im Waisenhaus waren die Auserwählten eingeladen: Neun Projekte aus Berlin und sieben aus Brandenburg dürfen nun mit Förderung von insgesamt 20 000 Euro ihre Filme drehen. Aus Potsdam ist Friedrike Steemann dabei – die 18-jährige Voltaire-Schülerin ist die einzige Einzelkämpferin im Teilnehmerfeld, hatte sich aber zur Unterstützung ihre an der Kamera erfahrene Freundin Bettina Storch mitgebracht. Friedrike, die Geschichte als Leistungskurs belegt und seit Jahren bei der Jungen Seite der MAZ journalistische Erfahrungen sammelt, möchte mit Zeitzeugen der Mauer zwischen Babelsberg und Klein Glienicke sprechen und eventuell auch den berüchtigten Grenzübergang an der Glienicker Brücke mit einbeziehen.
Bevor die rund 60 Teilnehmer der Einführung in die Workshops entlassen wurden, in denen sie Tipps und handwerkliche Grundkenntnisse vermittelt bekamen, führte ein lockeres Podiumsgespräch zwischen Schauspieler Axel Prahl (Tatort), Sänger Gero Ivers (Knorkator) und Moderator Carsten Rochow (Radiofritzen) ins Thema ein. Der „Wessi“ Prahl berichtete da, dass er die Nachwende-Geschichte leider als Geschichte der „Sieger“ erlebt habe und es deshalb wichtig fände, dass die Jugendlichen aus Ost und West nun die Betroffenen befragten; der „Ossi“ Ivers entgegnete, er sei zu DDR-Zeiten eigentlich immer satt und zufrieden gewesen und habe sich nachher für die Gier seiner Landsleute nach dem Begrüßungsgeld geschämt. Prahl hingegen klagte, im Grunde habe Helmut Kohl doch alles aufgekauft, nur Carsten Rochow fand „am Ende doch okay, wie’s alles gelaufen ist“. (Von Jan Bosschaart)
18.05.2009
Voltaire-Team gewinnt Bronzemedaille im Finale der Deutscholympiade

POTSDAM / BERLIn/Potsdam - Für den ganz großen Wurf hat es gestern leider nicht gereicht: Mit einer Bronzemedaille kam die Mannschaft der Voltaire-Gesamtschule vom Bundesfinale der Deutscholympiade zurück. Josephina Kaeding, Leonard Carow, Klara Otto und Lukas Struhl (v.l.n.r. hüpfend im Bild) mussten sich am Ende des Wettbewerbs, an dem sich bundesweit immerhin 44 444 Schüler der neunten Klassen beteiligt hatten, Teams aus Brannenburg (Bayern) und Peine (Niedersachsen) geschlagen geben.
Im vollbesetzten Deutschen Theater in Berlin maßen sich die Teilnehmer in Disziplinen wie „Erklären“ und „Darstellen“ – unter den Augen von Jury-Mitgliedern wie Autor und Musiker Sven Regener und Schauspielerin Alissa Jung. Beim „Reimen“ beispielsweise blieben den Wortakrobaten nur zwei Minuten, um auf der Bühne aus einem vorgegeben Satz im steten Wechsel ein Gedicht zu fertigen. Beim „Erzählen“ musste eine möglichst originelle und witzige Geschichte zwischen einem vorgegebenen Anfangs- und Endsatz entwickelt werden. Das Quartett von der Voltaireschule schuf gekonnt eine spannende Erzählung über einen vermeintlichen Leichenfund, der sich dank einer überraschenden Wendung als unbedenklich erwies. Alissa Jung lobte die Potsdamer: „Das war lebendig und sehr, sehr gelungen. Ich habe richtig mitgefiebert.“
Trauriges Detail am Rande: Die gestrigen Teilnehmer werden vorerst die letzten Olympioniken gewesen sein, die so ein begeisterndes Bundesfinale erlebt haben. Die Hertie-Stiftung, die die Olympiade ab dem nächsten Jahr organisiert, will es bei schulinternen Wettstreiten bewenden lassen. (Von Sebastian Scholze)
09.05.2009
Im Ausland Erfahrung sammeln

30.04.2009
Voltaireschule im Finale

POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Die Reise ist noch nicht zu Ende: Mit ihrem gestrigen Sieg im Regionalfinale der Deutsch-Olympiade haben sich Leonard Carow, Josephina Kaeding, Klara Otto und Lukas Struhl von der Voltaire-Gesamtschule für das große Finale am 17. Mai in Berlin qualifiziert. Damit gehört das Quartett aus Potsdam zu den letzten vier Teams im Wettbewerb um sprachliches Können und darf sich in zwei Wochen im Deutschen Theater mit den anderen Siegern vor einer prominent besetzten Jury messen. In der ersten Runde hatten sich genau 44 444 Schüler bundesweit an der Deutsch-Olympiade beteiligt.
Im Malteser Treffpunkt Freizeit mussten sich die Voltaireschüler, trainiert von Deutschlehrerin Edeltraud Lange, gestern in der Kategorie „Mittlerer Schulabschluss“ mit den Landessiegern aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt um den Finalplatz streiten. Nur jeweils zwei Minuten hatten sie dabei Zeit, sich auf die drei Disziplinen „Umschreiben“, „Erzählen“ und „Darstellen“ vorzubereiten. (scho)
01.04.2009
SPRACHE: Voltaire-Quartett formulierte am Besten

Landesfinale der Deutsch-Olympiade
POTSDAM / SCHIFFBAUERGASSE - Wenn es allein nach der Lautstärke des Jubels ihrer Mitschüler gegangen wäre, hätten Leonard, Josephina, Klara und Lukas schon gewonnen, bevor sie ein Wort sagen konnten. Dabei wäre das schade gewesen, denn die Beiträge des Quartetts von der Voltaire-Gesamtschule zählten zu den witzigsten, die das gestrige Brandenburger Landesfinale der Deutsch-Olympiade zu bieten hatte. Verdient gewannen die vier Neuntklässler ihre Kategorie und dürfen sich nun stolz zu den besten Formulierern der Republik rechnen. Das gute Ergebnis aus Potsdamer Sicht rundeten Humboldt-Schüler ab, die bei den Gymnasien den zweiten Platz belegten.
Je zwei Minuten hatten die Mannschaften von insgesamt acht Brandenburger Schulen Zeit, um im Hans-Otto-Theater möglichst kreativ und witzig zu formulieren. Maßen sich die Gesamt- und Oberschule in der Vorrunde im Umschreiben und Erzählen, mussten die Gymnasien im Reimen und Erklären antreten. Jeweils die zwei besten Teams jeder Kategorie qualifizierten sich dann für die abschließende Königsdisziplin, das Darstellen. Leonard hatte ein einfaches Erfolgsrezept, getreu dem Motto „Die Stärken stärken“: „Wir haben vorher eigentlich immer nur geübt, was wir sowieso gut konnten.“ Aber echte Schwächen ließen die Teenager nicht erkennen. Beim Umschreiben gelang es dem Quartett als einzigem, alle zehn geforderten Begriffe zu schaffen. Durften drei Deutsch-Olympioniken jeweils einen erklärenden Satz sagen, war es am vierten, zu raten. Jeder, der schon mal das beliebte Spiel „Tabu“ ausprobiert hat, weiß, wie schwer das sein kann. Tom Ehrhardt, Moderator bei Radio Fritz, lobte als Jury-Mitglied die Erklärung zu „Brautkleid“: „Das war ein echter Idealfall.“
Beim Erzählen hatten die Veranstalter von der Initiative Deutsche Sprache den ersten und letzten Satz einer Geschichte vorgegeben. Die Lücke dazwischen mussten die Schüler in zwei Minuten wechselseitig „zuspinnen“. Beim Voltaire-Quartett wurde daraus eine dramatische Geschichte um einen vermeintlichen Fahrstuhlbrand. Im Finale dann die Kür: Das kleine Theaterstück um einen entgleisten Zug und eine nervöse Fahrschülerin trug den Neuntklässlern höchstes Lob ein.
Dabei war Klara gar nicht zufrieden: „Das können wir noch viel besser.“ Im April können sie das beweisen – dann steht das Finale der nordöstlichen Bundesländer an. Wird auch das gewonnen, findet das große Finale der letzten vier Teams, bei dem 2008 immerhin Stars wie Katja Riemann und Sven Regener in der Jury saßen, wieder mit Potsdamer Beteiligung statt. Schon damals hatte Deutschlehrerin Edeltraud Lange ihre Mannschaft dorthin und schließlich auch auf den zweiten Platz geführt. (Von Sebastian Scholze)
23.03.2009
In Feierlaune zeigten sich am Samstag Lehrer, Eltern und Schüler der Voltaire-Gesamtschule bei ihrem jährlichen Frühlingsball

Am Buffet scherzte Stadtwerkechef Peter Paffhausen als Schirmherr mit der Elft-Klässlerin Alice Krickow (Fotos: Joachim Liebe). Direktorin Ortrud Meyhöfer und HOT-Schauspieler Hans-Jochen Röhrig (unten) waren ebenso von der Partie wie die Stadtverordneten Maike Dencker (CDU /ANW), SPD-Fraktions-Chef Mike Schubert (SPD) und sein Pendant von den Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg . Beide kamen mit Ehepartnern in den festlich geschmückten Saal des Voltaire-Hotels. Auch Bildungsausschussmitglied Manja Orlowski (SPD) war der Einladung gefolgt. Paffhausen lobte, „dass sich die Voltaireschule sehr um Toleranz und Integration bemüht, beides hat schließlich in Potsdam eine lange Tradition“. Das kleine kulturelle Rahmenprogramm wurde von Schülern des Kurses Darstellendes Spiel gestaltet. Ein Maskentanz zeigte improvisierten Umgang mit den selbstgebauten Kostümen. Überraschungsgast Hans-Jochen Röhrig las eine Geschichte der DDR-Autorin Renate Holland-Moritz über die unterschiedlichen "Frühlingsgefühle" eines älteren Ehepaares. Danach ging es an das leckere Buffet, bis spät in die Nacht tanzte man zu den Retrohits der 1960er und 1970er. Die Schule hat schließlich allen Grund zum Feiern: Es gibt für das kommende Schuljahr doppelt soviel Bewerber wie freie Plätze. spy
16.03.2009
BILDUNG: Die meisten wollen auf Gesamtschulen. "Voltaire" bei Ü7-Erstwünschen vorn

In Potsdam geht – im Gegensatz zu anderen Regionen – der Trend zur Gesamtschule weiter. 58 Prozent der künftigen Siebtklässler haben sich bei einer Einrichtung dieser Schulform mit gymnasialer Oberstufe angemeldet. Im vorigen Jahr waren es 49 Prozent. Von insgesamt 1108 Schülern haben sich 643 an einer Gesamtschule, 373 an einem Gymnasium und 92 an einer Oberschule angemeldet. Als beliebteste Schule liegt mit 227 Anmeldungen „Voltaire“ vorn. Platz ist aber nur für 84 neue Schüler.
Somit hat die Innenstadtschule in diesem Jahr die Lenné-Schule im Zentrum Ost überholt. Dort haben sich laut Schulamt bislang 194 Schüler angemeldet, im vorigen Jahr waren es 156 und bei Voltaire 129. Für die Steuben-Gesamtschule haben sich 108 Schüler (im Vorjahr 84) angemeldet. Das geht aus einer ersten Auswertung der Anmeldezahlen für die Jahrgangsstufe 7 zum Schuljahr 2009/10 hervor, die das Staatliche Schulamt in Brandenburg/Havel gestern veröffentlicht hat.
Als beliebtestes Gymnasium kam abermals das Humboldt-Gymnasium auf Platz 1. Dort gibt es mit 141 Anmeldungen neun mehr als im Jahr 2008. Das Leibniz-Gymnasium Am Stern hat mit 93 Anmeldungen sogar das traditionsreiche Helmholtz-Gymnasium in den Innenstadt (78) überholt. Im letzten Jahr hatten sich zu diesem Zeitpunkt 112 Schüler bei Helmholtz angemeldet; beim Leibniz dagegen nur 44.
Ausgewertet wurden zunächst nur die Erstwünsche für Schulen in öffentlicher Trägerschaft; Privatschulen sind nicht aufgeführt. Erst nach Abschluss des Aufnahmeverfahrens an der Zweitschule könne ab Mitte Mai verbindlich über die Zahl der neuen 7. Klassen entschieden werden, warnte das Schulamt vor übereilten Schlüssen.
Insgesamt gab es im Schulamtsbereich einen deutlichen Anstieg an Anmeldungen. Mit insgesamt 3683 Schülern ist die Zahl um 489 (15 Prozent) gestiegen. Die Landeshauptstadt liegt mit 18 Prozent Zuwachs im Vergleich zur Stadt Brandenburg und den Kreisen Mittelmark und Havelland an der Spitze. 167 Sechstklässler mehr haben sich für eine siebte Klasse in Potsdam angemeldet. (Von Claudia Krause)
06.03.2009
Am Montag werden in Potsdam sechs weitere Symbole gegen das Vergessen gelegt

POTSDAM / INNENSTADT - Elisabeth Salinger lebte in der Jägerallee 25, bevor sie im Konzentrationslager in Theresienstadt starb. Die Lebensgeschichte der Potsdamer Jüdin und fünf weiterer Opfer des Nationalsozialismus haben Schüler der Voltaire-Gesamtschule und des Helmholtz-Gymnasiums erforscht. Am kommenden Montag werden für die Opfer des Nazi-Terrors in der ganzen Stadt sechs Stolpersteine gegen das Vergessen gelegt.
„Es ist beeindruckend, dass die Schüler das Leben derjenigen Potsdamer rekonstruiert haben, denen die Stolpersteine gewidmet wurden“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs gestern bei der Präsentation der Biografien im Helmholtz-Gymnasium.
Die Recherchen zu den Schicksalen der einzelnen jüdischen Familien führten die Mädchen und Jungen der achten und neunten Klasse in Begleitung ihrer Religionslehrer durch. Lebensspuren der Verstorbenen entdeckten die jungen Menschen in Akten des Landeshauptarchivs und in Gesprächen mit Angehörigen und Zeitzeugen. „Oft setzt man sich im Unterricht nur mit Figuren wie Sophie Scholl oder Anne Frank auseinander. Ich finde es gut, dass wir etwas über Opfer aus Potsdam erfahren“, sagte die 15-jährige Sophie Matuszczak.
Das Kunstprojekt Stolpersteine wurde 2003 ins Leben gerufen und soll auf die Schicksale von Opfern des Nazi-Terrors aufmerksam machen. Die Pflastersteine mit der Messingkappe werden vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Verstorbenen in den Fußweg eingelassen. Im vergangenen Jahr wurden in Potsdam sieben Steine verlegt. Doch nicht allen Bürgern ist das Projekt ein Begriff. Auf der Brandenburger Straße befragten die Schüler mehrere Einwohner nach den Stolpersteinen. „Inhaltlich bekamen wir eher bescheidene Ergebnisse“, erzählte ein Schüler. Am schlimmsten sei die Antwort eines Mannes gewesen, der dafür war, dass man die damalige Zeit lieber vergessen solle, statt Erinnerungssteine zu verlegen. Erschreckt waren die Jugendlichen auch über die Äußerung: „Juden? Lasst mich mit denen in Ruhe!“ (Von Diana Teschler)
06.03.2009
Sechs Neue Zweite Stolperstein-Verlegung am Montag: Voltaire-Schüler planen Buch

Von Jana Haase
20.01.2009
Prinzip "Inhalt statt Titel". Gesamtschulen, Gymnasien und Oberschulen werben um künftige Schüler

Stressfaktor Schulanmeldung: Vor allem beim Wechsel von der Grundschule in weiterführende Bildungseinrichtungen beklagen nicht wenige Eltern und Schüler das aufwändige und für Familien oft unsichere Procedere. Derzeit werben Schulen wie am vergangenen Samstag das Humboldt-Gymnasium oder die Voltaire-Gesamtschule um neue Fünft- und Siebentklässler. Sind einige Schulen extrem übernachgefragt, kämpfen andere Einrichtungen – unabhängig ob Gymnasium, Gesamtschule oder Oberschule – darum, die Mindestzahl an Schülern aus eigener Kraft zu erreichen.
Keinen Grund zur Klage hat die Voltaire-Gesamtschule. Des öfteren als „Modellschule“ bezeichnet, kann die Einrichtung seit einigen Jahren Rekordzahlen bei Elternwünschen verbuchen. Auch am Samstag zog die Einrichtung hunderte Eltern und Schüler zum Tag der offenen Tür. Die Informationsveranstaltungen mit der Schulleiterin Ortrud Meyhöfer glichen beim Andrang früheren Sommerschlussverkäufen. Übervoll war die an sich geräumige Cafeteria, interessierte Eltern standen bis vor die Tür. Meyhöfer, die sich bereits mehrfach gegen die Umwandlung von Gesamtschulen mit Sekundarstufe II in Gymnasien (PNN berichteten) ausgesprochen hat, empfahl „nicht auf Titel sondern auf Schulinhalte zu gucken“.
Das Prinzip „Inhalt statt Titel“ fruchtete bei Eltern, die sich in der Voltaire-Schule umschauen: „Die Schule muss zu meinem Kind passen, seinem Niveau entsprechen“, sagt Marén Lüddemann. „Der Ruf der Schule, das Fremdsprachenangebot und verschiedene Abschlussmöglichkeiten“ seien wichtig bei der Auswahl, jedoch nicht der Titel als Gymnasium. Ähnlich auch die Meinung anderer Eltern, die damit der Verwaltungs-Diskussion um die Umwandlung zu einem Gymnasium für überflüssig erklären. Nicht zuletzt: Seit der Einführung eines Zentralabiturs in Brandenburg 2005 haben Gesamtschüler und Gymnasiasten die gleichen Prüfungsaufgaben. Einziger Unterschied: Gesamtschüler haben 13 Jahre Zeit fürs Abitur, Gymnasiasten legen die Hochschulzugangs-berechtigung schon nach zwölf Jahren ab.
Anders die Ansichten von Eltern, die sich am Samstag über das Humboldt-Gymnasium informierten: „Ich knüpfe an meine Traditionen an und lege auf ein gymnasiales Abitur für mein Kind schon Wert“, sagte Heike Brzezinski, die bei der Auswahl der Schule „vor allem auf die fachliche und menschliche Qualifikation der Lehrer achtet“. Die Potsdamerin befürwortete auch einen separaten Test der Schule, um die Kinder neben Grundschulempfehlung, Zeugnis und Elternwunsch noch einmal zu überprüfen, ob sie gymnasialtauglich seien. Humboldt-Schulleiterin Carola Gnadt führt an ihrer Einrichtung seit einigen Jahren den zusätzlichen Aufnahmetest durch – „vor allem für Jungen ist das die Chance, doch noch einen Platz an unserer Schule zu bekommen, auch wenn die Zeugnisnoten nicht so gut aussehen“, warb die Schulleiterin für den Test. Für die Durchführung des Tests in diesem Jahr bedürfe es aber noch der Bewilligung – „beantragt haben wir ihn“. Für Mutter Heike Brzezinski ist die schuleigene Überprüfung jedoch wichtig, denn „zu viele Kinder kommen derzeit ungerechtfertigterweise aufs Gymnasium“, schilderte sie ihren Eindruck. Kay Grimmer
20.01.2009
Deutsch-Olympiade: Potsdamer im Landesfinale

Die Teams des Humboldt-Gymnasiums und der Voltaire-Gesamtschule sind glücklich:Die Humboldtianer (Foto v.l.) Tobias Rindfleisch, Christopher Leunert, Leonard Brands und Camilla Wanckel – hier mit Lehrerin Christine Gottfried – haben sich gestern bei der Qualifikationsrunde der Deutsch-Olympiade in der Voltaireschule in der Kategorie Gymnasium durchgesetzt. In der Kategorie Hauptschule und Mittlerer Schulabschluss haben sich Marie Denus (15), Klara Otto (14), Lukas Struhl (14), und Leonard Carow (14) von „Voltaire“ für das Landesfinale am 30. März im Hans-Otto-Theater qualifiziert. Bundesweit trainieren auf Anregung der Initiative Deutsche Sprache (IDS) mehr als 44 400 Schüler der 9. Klasse aller Schulformen in den Disziplinen Reimen, Umschreiben, Erzählen, Erklären und Darstellen. FOTO: IDS
08.01.2009
Zwei Voltaire-Schülerinnen singen zusammen und wollen nun eine Band gründen

„Schon in der Grundschule habe ich im Schulchor gesungen“, erzählt Lisa Nieber. Die 17-Jährige besucht die 10. Klasse der Voltaire-Gesamtschule. Hier lernte sie auch Lena Kuhnke (16) kennen. Gemeinsam mit ihr singt sie seit Ende der 8. Klasse. Auftritte hatten die zwei schon auf Zeugnisausgaben, beim Konzert „Voltaire musiziert“ und beim Stadtteilfest in Potsdam-West.
„Die Musik ist eine Leidenschaft, mein Leben und Lebensinhalt“, erzählt Lisa. Schließlich kommt sie auch aus einer musikalischen Familie: „Meine Mama und meine Schwester singen im Kirchenchor, außerdem spielen beide Klavier und andere Instrumente. Mein Papa spielt nur Gitarre.“ Lisa wusste schon immer, dass sie gern singt, aber seitdem sie ihre beste Freundin Lena kennenlernte, wurde ihr die Musik noch wichtiger. „Es ist toll, eine Person gefunden zu haben, die genau so ist wie du“, freut sich Lisa. „Außerdem ist es super, dass unsere Stimmen so gut zusammenpassen.“
Der erste Song, den Lisa und Lena gemeinsam gesungen haben, war „Dear Mister President“ von Pink. Es folgten unter anderem „Tomorrow“ von Avril Lavigne, „Umbrella“ von Rihanna und „Geile Zeit“ von Juli. Nun wollen die zwei eine eigene Band gründen – sie haben auch schon begonnen, eigene Texte zu schreiben. „Die sind aber noch nicht fertig“, sagt Lisa.
„Neustart“ soll die Band heißen. Die Geschichte hinter dem Bandname ist ganz einfach: Nach einem Streit haben Lisa und Lena wieder zusammengefunden. Da der Versuch der Bandgründung schon mal gescheitert war, versuchen sie es nun nochmals. Das alles zusammen wird dann zum „Neustart“.
Ob Lisa die Musik zum Beruf machen will, weiß sie noch nicht. „Eigentlich würde ich auch gern etwas mit Psychologie machen“, sagt sie. Was für Möglichkeiten es gibt, mit Musik sein Geld zu verdienen, darüber hat sie sich noch nicht genau informiert. „Musiklehrerin möchte ich aber nicht werden.“
Wichtig ist ihr, mit ihrer Gesangspartnerin Lena weiterzukommen. „Auftritte haben, rumreisen, einfach die Musik leben – das wäre toll“, schwärmt Lisa. Dazu muss jetzt aber erstmal eine Band her – Schlagzeuger, Bassist und ein Gitarrist werden gesucht. Wer weiß, vielleicht wird man bald mehr von Lisa und Lena hören. (Von Friederike Steemann)
07.01.2009
Sprachkurse in der Voltaireschule

POTSDAM / INNENSTADT - Der Türkisch-Deutsche Club Potsdam lädt veranstaltet wieder einen Anfängerkurs zum Erlernen der Türkischen Sprache, der einmal wöchentlich stattfindet. Den Angaben zufolge soll es dazu am Donnerstag, 22. Januar, um 19.30 Uhr eine Vorbesprechung in der Voltaire-Gesamtschule geben, zu der alle Interessierten eingeladen sind. Vorkenntnisse seien für den Besuch des Kurses nicht erforderlich.
Der Türkisch-Deutsche Club bietet in der Landeshauptstadt bereits seit einigen Jahren Türkischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an, die sich an alle an der Türkei und dem Türkischen Interessierten richten. Die Kurse seien für die Teilnehmenden kostenlos und bildeten einen Beitrag zu guten deutsch-türkischen Beziehungen im Lande Brandenburg, heißt es in der Mitteilung des Clubs. Der Unterricht werde von muttersprachlichen Türkischlehrern durchgeführt.
Einige freie Plätze gebe es zudem im laufenden Fortgeschrittenenkurs. Hier können alle Interessierten teilnehmen, die bereits geringe Vorkenntnisse haben, sei es, dass sie schon bei Türkeiurlauben oder durch türkische Freunde etwas Türkisch gelernt haben oder an einen früheren Türkischkurs anknüpfen möchten.
Der Türkisch-Deutsche Club Potsdam ist im vergangenen Jahrunter dem Motto „Integration ist keine Einbahnstraße“ von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) mit dem Integrationspreis der Landeshauptstadt ausgezeichnet worden.
Der Fortgeschrittenenkurs wird am heutigen Donnerstag wieder einsetzen und findet einmal wöchentlich donnerstags von 19.15 bis 21 Uhr in der Voltaire-Gesamtschule statt. Anfänger treffen sich ebenfalls immer donnerstags von 19.15 bis 21 Uhr.
Weitere Infos unter 200 92 54, oder unter www.tdc-potsdam.eu. (MAZ)
12.12.2008
SPRACHE Französisch flott unterwegs

INNENSTADT Ein „kleines französisches Kulturinstitut auf Rädern“ hat Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht gestern während eines Besuches an der Voltaire-Gesamtschule übergeben. Zukünftig wird das von Renault gesponserte Mobil mit Referent Laurent Maignan täglich in Brandenburg und Berlin unterwegs sein, um Kindern und Jugendlichen an verschiedenen Schulen die Sprache unseres Nachbarlandes näher zu bringen. Deshalb ist das Mobil mit Lernmaterial in Form von Videos, Comics, Zeitschriften und Spielen ausgestattet.
Auch eine Leistungs- und Begabtenklasse der Voltaire-Schule kam gestern gemeinsam mit dem Minister, einem Vertreter der Französischen Botschaft und Lehrerin Hélèna Farjon in den Genuss eines spielerischen Französisch-Unterrichts. Dabei ging es für die Kinder weniger um das Erlernen neuer Vokabeln, als vielmehr um Besonderheiten und Vorlieben der Franzosen. So stellte Maignan „Carambar“ vor, eine Karamell-Köstlichkeit, die wegen der enthaltenen Witze bei Kindern und Erwachsenen beliebt ist. Laut Schulleiterin Ortrud Meyhöfer ist die Voltaire-Gesamtschule die einzige Bildungseinrichtung des Landes, in der Schüler schon ab der 5. Klasse Französisch lernen können. „Wir sind sehr froh, dass mit Hélèna Farjon seit diesem Jahr erstmals eine Muttersprachlerin unterrichtet“, sagte die Schulleiterin. Laut Rupprecht ist Französisch nach Englisch die am häufigsten gelernte Fremdsprache an Brandenburgs Schulen.
France Mobil wurde 2002 von der Französischen Botschaft initiiert und ist das Gegenstück zum Deutsch-Mobil in Frankreich. Beide steigern nachweislich das Interesse an der jeweiligen Fremdsprache um 30 Prozent. scho
01.12.2008
BILDUNG Rettet das Theater. Schulfach Darstellendes Spiel soll erhalten bleiben / Bundesweite Aktion '5 vor 12'

INNENSTADT Für den Erhalt des Faches Darstellendes Spiel, das in Brandenburg regulär in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet wird, demonstrierte gestern die Voltaire-Schule mit der Aktion „Rettet das Theater“. Schultheatergruppen in der ganzen Bundesrepublik hatten den Internationalen Tag des Schultheaters genutzt, um unter dem Motto „5 vor 12 – Für kulturelle Bildung“ mit spektakulären Aktionen auf die Wichtigkeit des Theaterspielens als besondere Lern- und Entwicklungsform aufmerksam zu machen. Laut Monika Grobler von der Voltaire-Schule haben sich in Brandenburg und Berlin zehn Schulen beteiligt. Unter dem Dach der Internationalen Drama/Theater Education Association (IDEA) unterstützen Verbände und Personen weltweit die Forderungen nach qualifiziertem Theaterunterricht in den Schulen. MAZ
06.11.2008
KURZ & KNAPP Voltaire-Schule lädt Eltern ein

INNENSTADT Die Voltaire-Gesamtschule stellt sich Eltern von Schülern der jetzigen 6. Klassen am Montag, 10. November, vor und informiert über ihr Ausbildungsprofil, Angebote wie „Medien und Kommunikation“ und Fremdsprachen sowie die Ganztagsausrichtung. Zudem beantwortet die Schulleitung Fragen.
Info-Beginn: 18.30 Uhr, Cafeteria der Schule, Linden- / Ecke Breite Straße
03.11.2008
PLANSPIEL BÖRSE Börsianer von Ackerwinde vorn. Voltaire-Schüler Wochensieger

INNENSTADT Das Team „Ackerwinde“ von der Voltaire-Gesamtschule ist Wochensieger im MAZ-Planspiel Börse. Die Zwölftklässler Max Wendland, Franziska Zahn, Florian Raabe und Tobias Biste, die ihr Team nach dem Unkraut benannten, konnten den Wert ihres Aktiendepots um acht Prozent steigern. Damit sind sie Spitzenreiter in Potsdam und Umgebung. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) Potsdam spendierte eine historische Aktie.
„Jeder von uns hat 10 000 Euro vom Startkapital bekommen“, erklärt Max Wendland die Aufgabenverteilung in der Gruppe. „Damit kann er machen, was er will. Und wenn mal etwas richtig schief geht, bleiben noch 10 000 Euro Reserve.“ Auf diese Weise ist ein Sammelsurium internationaler Unternehmen zusammengekommen und es gibt Licht und Schatten im Depot.
Wenig Freude hatten die Börsenspieler an der Aktie des US-Unterhaltungskonzerns Walt Disney. Diese brachte Verluste ein, ebenso wie die spanische Telefónica. Erheblich besser verlief dagegen die Beteiligung beim Wolfsburger Autobauer Volkswagen. Innerhalb der vergangenen Woche stieg dessen Kurs um über 26 Prozent. Ein Erfolgserlebnis, das die Börsianer hoffen lässt. Denn sie müssen noch einige Verluste ausbügeln.
16.10.2008
AUSGEZEICHNET Gratulation vom Botschafter. Luise Hoppes Arbeit über Israel

„Ich wusste wirklich nichts“, beteuert Luise Hoppe. „Ich dachte schon, ich hätte nichts gewonnen.“ Das war am Montagvormittag in der Potsdamer Staatskanzlei. Sie saß gemeinsam mit all den Brandenburger Schülern, die sich am Wettbewerb „Israel und ich“ beteiligt hatten, in der Landesregierung. Dann hörte Luise Hoppe doch noch ihren Namen, als Letzte durfte sie auf die Bühne und die Gratulation von Yoram Ben-Zeev, dem Botschafter Israels in Deutschland, entgegen nehmen. Die 15-jährige Schülerin des Evangelischen Gymnasiums in Hermannswerder hat einen der begehrten Einzelpreise abgeräumt.
Und noch eine Potsdamer Schule war erfolgreich: Die Voltaire-Gesamtschule erhielt einen Anerkennungspreis. Die heutige Klasse 9c wurde für ihr Engagement beim Potsdamer Stolpersteine-Projekt geehrt.
Luises Hoppes Beitrag würdigte die Jury als eine „ungewöhnliche, herausragende Einzelleistung“ und bescheinigte ihr ein „herausgehobenes intellektuelles Niveau“.
Im letzten Jahr war Luise gemeinsam mit ihrem Basketballteam für zwei Wochen in Israel. Eine Rundreise: „Wir lebten im Hotel, bei israelischen Gastfamilien und im Kibbuz“, erzählt sie. Sie befragte palästinensische Schulkinder, schrieb ein Reisetagebuch. Endlich hatte sie ihr Facharbeitsthema gefunden, arbeitete viele Wochenenden daran. Durch Zufall hörte sie von dem Wettbewerb und reichte ihre Arbeit ein. Viel hatte sie vorher über das Land, den Konflikt mit den Palästinensern, über die permanente Bedrohung gelesen. Dort hatte sie von all dem wenig gespürt. „Alle waren fröhlich, man merkt nicht, dass es dort so gefährlich ist.“
750 Euro nahm sie nun beim Wettbewerb entgegen. Einen Teil des Gewinns will sie der Talat-Alaiyan-Stiftung spenden, die sich für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt. Den Rest spart sie für die nächste Reise nach Israel. gel
02.10.2008
BILDUNG Hof für eine knappe Million. Sportlich und beschaulich sollen die Voltaire-Kinder ihre Pausen gestalten

Mehr als 900 000 Euro will die Schule an der Lindenstraße für den Umbau ihres Hofes ausgeben. Der erste Bauabschnitt wurde gestern übergeben.
Von Rainer Schüler
INNENSTADT Kletterpyramide, Sandmeer, Berge, Wiesen, Backofen, megalange Bänke – das ist der neue Spielplatz der Voltaire-Gesamtschule für die fünften und sechsten Klassen, vor allem für sie. Begeistert zerschnitten sie gestern Morgen die flatternden Absperrbänder, zerknallten die Luftballons, stürmten die Klettergeräte. Ein Jahr lang hatten sie auf diesen Tag gewartet, sogar eigene Ideen eingebracht. Nach der Sommerpause lugten bereits die orangerot mit Gummigranulat belegten Tobeflächen durch die Bäume. Doch erst in den zurückliegenden fünf Wochen hat die Landschaftsbaufirma Bernd Friedrich mit fünf bis acht Männern gewirbelt, um den ersten Bauabschnitt eines Platzes zu vollenden, der sich dereinst um den neuen, hochmodernen Sportplatz schlingen und auch für die älteren Schüler Sport- und Ruheflächen inmitten von neugepflanztem Grün bieten soll. Ein „rotes Band der Bewegung“ solle sich durch den Hof ziehen, beschreibt Schulleiterin Ortrud Meyhöfer den ehrgeizigen Plan.
164 000 Euro hat schon Teil 1 gekostet, 135 000 davon kamen aus dem Ganztagsprogramm des Landes; den Rest gab die Stadt Potsdam dazu. Noch fehlen hier das heiß ersehnte Trampolin und einige Bewegungsgeräte. Zehn stempelförmige Hocker zum Springen und Sitzen hat der Förderverein der Schule beigesteuert; immerhin 8000 Euro kosteten sie. Es ist der „intensivste Teil“ des Freigeländes, sagt Landschaftsplaner Marcel Adam, aber der kleinere im anspruchsvollen Gesamtprojekt. 750 000 Euro sollen die Bauabschnitte zwei bis vier kosten. Darin enthalten wäre der Bau einer dreiseitigen Treppenanlage als Tribüne auf dem Hof mit Blick auf eine Mehrzweckbühne. Schlängelwege säumen künftig den Sportplatz, der momentan noch der beliebteste Aufenthaltsort der Schüler ist.
Weil das Ganztagsprogramm nun nicht mehr anzapfbar ist, hofft man künftig auf einen Lotto-Segen des Landes Brandenburg.
25.09.2008
Deutsch-türkische Freundschaft

Beifall von Diyane und den anderen türkischen Austauschschülern für Nele aus der Klasse 9c der Voltaire-Gesamtschule, die ihre ersten türkischen Sprachkenntnisse präsentierte. Die Voltaireschule ist die einzige Schule im Land Brandenburg, die einen deutsch-türkischen Schüleraustausch pflegt. Das verdankt sie Hikmet Güvenc, Vorsitzender der Elternkonferenz und des Schul-Fördervereins. Noch bis zum 7. Oktober sind zehn Schüler und zwei Lehrer aus der TED Antalya Koleji (Türkei), zu Gast in Potsdam. Der Austausch besteht seit 1993. TED ist eine Privatschule mit 894 Schülern und 96 Lehrern. FOTO: MAZ/HÜBNER
16.09.2008
4. Potsdamer Lauffest: Läufer toppten Sponsoren

Ob mit Handtäschchen oder sportlichem Eifer: Die 1298 Teilnehmer des diesjährigen Lauffestes haben die Rekorde der Vorjahre gebrochen. Die Läuferinnen und Läufer schafften insgesamt 16 833 Runden „und haben damit die Sponsoren getoppt“, resümierte gestern die Gesundheitsbeigeordnete Elona Müller den vierten Benefizlauf zugunsten der Potsdamer Stiftung Altenhilfe. Die größte Laufleistung legte die Voltaire-Gesamtschule mit 1900 Runden vor, gefolgt von der Walking-Schule und dem Potsdamer Laufclub. Auch die Altersspanne der Teilnehmer habe sie begeistert, sagte Müller. So seien sowohl Kindergartenkinder brav ihre Runden gerannt als auch Senioren zum Teil mit Handtasche über die Bahn im Stadion Luftschiffhafen spaziert. „Dieses gemeinschaftliche Engagement gibt diesem Fest einen ganz persönlichen Charakter“, so Elona Müller, die sich als Gesundheitsbeigeordnete auch über den wohltuenden Effekt der Bewegung freue.
Mit den Sponsorengeldern über 9750 Euro und den Einnahmen aus Startgeld und Kuchenbasar kommen der Stiftung jetzt 10894 Euro zu. Was noch ausstünde, sei die Versteigerung der Sachspenden, die nun im Internet erfolgen solle, so Müller. Mit den aktuellen Erlösen verfüge die Altenhilfe jetzt über eine Stammeinlage von 112460 Euro, mit deren Zinsen Altenprojekte unterstützt werden. NIK









